Drei Fragen an ZSK, Radio Havanna und die Spermbirds

Joshi mit bandeigenem ZSK-Board

Bis heute sind es in erster Linie amerikanische Bands, die den Soundtrack für den Skatepark liefern. Warum das so ist und weshalb sie sich auch aus musikalischer Sicht entschieden haben, aufs Rollbrett zu springen, beantworten ZSK, die Spermbirds und Radio Havanna in drei knackigen Mini-Interviews.

 

ZSK: Joshi / Sänger

ZSK ist nicht nur die einzige Band, deren Name keinerlei Bedeutung hat, es ist auch die einzige deutsche Skatepunkband, mit einem eigenen Board. Sänger Joshi über Schubladendenken. 

Wie alles begann: Joshi im Proberaum / Foto: Privatarchiv

Wie alles begann: Joshi im Proberaum / Foto: Privatarchiv

Ihr seid bis heute eine der wenigen Skatepunkbands Deutschlands – wie erklärst du dir das?
Joshi:
Gute Frage. Vielleicht, weil das ganze Skatepunk-Ding inzwischen tot ist. Vielleicht haben aber auch viele Bands schlichtweg keinen Bock, sich dieses Label anzuhängen.

Was ist das für ein Label, das ihr euch angehängt habt?
Joshi: Im Gegensatz zum klassischen Deutschpunk ist es entspannter, was den Umgang untereinander angeht. Egal, ob mit oder ohne Lederjacke, ob mit oder ohne Iro, Springerstiefel oder Turnschuhe – jeder ist willkommen. Wir wurden damals von Deutschpunks bespuckt und mit Flaschen beworfen, weil wir nicht „Punk“ genug waren. Das war uns zu dumm. Die Punkszene in den USA ist viel lockerer. Die einen skaten, die anderen stehen auf Nieten und trotzdem kommen alle miteinander klar. Das hat uns schwer beeindruckt. Also haben wir gesagt, so machen wir das jetzt auch.

Wer sind eure Vorbilder gewesen?
Joshi: Bands, mit denen wir groß geworden sind und die wir auch bis heute viel hören: Propagandhi, Operation Ivy, Minor Threat, AFI, Pennywise, Dead Kennedys, Rancid, Circle Jerks und NOFX.

Check:
skatepunks.de
facebook.com/ZSKBerlin

Spermbirds: Beppo / Schlagzeuger

1983 gründete der amerikanische G.I. Lee Hollis in Kaiserslautern die wohl einflussreichste Hardcore Punkband Deutschlands. Da sich seine Motivation bezüglich Interviews hingegen in Grenzen hält, hat sich Drummer Beppo erbarmt, mir von seinem ersten Rollbrett zu erzählen.

Haben die Spermbirds selbst viel Zeit auf dem Skateboard verbracht?
Beppo:
Ich hatte tatsächlich eine frühe Skateboard-Phase, von der meine Mitmusiker -glaube ich- gar nichts wissen. Das dürfte so um 1975/76 gewesen sein – also Jahre, bevor die Spermbirds gegründet wurden.

1985 habt ihr mit dem Song „My God Rides A Skateboard“ Skatepunk-Geschichte geschrieben. Der Song erschien zwei Jahre vor der Gründung der Titus GmbH, wer hat das Skateboard denn nun nach Deutschland gebracht, Titus Dittmann oder Lee Hollis?
Beppo:
Ich habe das gar nicht so in Erinnerung, dass die Anfänge des Skatens hierzulande so eng mit Titus verbunden sind – in meiner Erinnerung fing das weit früher an. Wie gesagt, ich bin schon Mitte der 70er geskatet. Ein Freund und ich hatten im Fernsehen einen Bericht über diese neue Sportart aus den USA gesehen und wir haben uns dann selbst ein „Board“ gebaut – allerdings nannten wir es damals tatsächlich noch „Rollbrett“. Jedenfalls haben wir ein Brett ausgesägt, die Rollen unserer Rollschuhe darunter geschraubt und es schick mit Farbe angemalt. Dann sind wir aus Mangel an geeigneten Plätzen steile Straßen runtergefahren. Zu Weihnachten haben wir uns dann richtige Bretter gewünscht, die hießen sogar schon „Skateboards“, waren damals aber noch viel schmaler und kürzer. Aber dann war es mit dem Skaten in unserer Region auch schon wieder vorbei – eine kurze saisonale Mode. Erst als ich Lee als Punk-G.I. in Kaiserslautern mit seinem Board kennenlernte, habe ich gemerkt, dass sich das mit dem Skaten in den USA weiterentwickelt hatte. Seine Bretter und Rollen  waren viel größer als meine damals. Aber vielleicht war das auch nur meine regionale Betrachtung – die Pfalz war und ist nun mal nicht grade der kulturelle Treibsatz der Republik.

Amerikanische Hardcore- und Punkbands wie Minor Threat und Black Flag haben euch damals stark beeinflusst, ihr wart der europäische Gegenpol. Doch trotz Lees Herkunft, habt ihr 28 Jahre gebraucht, bis ihr 2011 zum ersten Mal in den USA aufgetreten seid. Wie ist es gelaufen?
Beppo: 
Ich fand es sehr cool, wir waren zum ersten Mal da und sie haben unsere Texte mitgesungen! Es kamen jede Menge Amerikaner zu unseren Shows, denen unsere Musik etwas bedeutete, weil sie tatsächlich ein Teil ihres Jugend-Soundtracks war.

Check:
spermbirds.com

Punkrock Fanzine

 

Radio Havanna: Fichte / Sänger

Die Thüringer sind engagiert, wie kaum eine andere Band in unseren Gefilden. So bekamen sie mit einem Benefiz-Konzert, das sie gemeinsam mit Anti Flag organisiert haben, vor ein paar Jahren über 2000 Euro für die juristische Verteidigung von Pussy Riot zusammen.

Zusammen mit Pennywise-Frontmann Jim Lindberg habt ihr einen Benefiz-Song zugunsten von skate-aid aufgenommen. Was kann dieser Sport bewegen?
Fichte:
Skate-aid ist ein Paradebeispiel dafür, welchen Mehrwert das Skaten auf kultureller und sportlicher Ebene bietet. Der besagte Song „Knowledge“ kann für einen Euro bei Itunes und Amazon heruntergeladen werden. Der Euro geht direkt an die Jungs und Mädels aus Münster, die das Geld in die Skateparks stecken, die sie in Krisenregionen bauen.

Was ist der gemeinsame Nenner von Punkrock und Skateboarding?
Fichte: 
Die Bands der amerikanischen Westküste, die uns beeinflussen, sind Punkrocker, Skater und Surfer. Es geht bei beiden um Jugend, Selbstermächtigung und darum, mehr vom Leben zu erwarten, als einen öden Job an der Supermarktkasse.

Ihr sagt, dass die Verbindung von Skateboarding, Punkrock und Politik ein fester Bestandteil der Band ist. Wie passen diese Dinge zusammen?
Fichte: 
Sport ist eine universelle Sache, die jeden Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Präferenz bewegt. Er bringt Menschen zusammen und schafft emotionale Momente. Das gleiche gilt für Musik. Egal an welchem Ort der Erde ihr euch befindet und welche Sprache ihr sprecht, die Musik wird euch zusammen bringen.

Check:
radiohavanna.de
facebook.com/radiohavanna

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