JFA – Jody Fosters Army: Skateboard Revolution

Brian at Jokers Pool / photo by Arab

Die Wurzeln von Jody Fosters Army liegen in der südkalifornischen Skaterszene der frühen 80er Jahre. Bis heute ist JFA die einzige Band, die eine eigene Skateboard-Firma betreibt. Sänger Brian Brannon über einstige Underground-Konzerte und seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Thrasher Magazine. Erinnerungen an eine legendäre Ära.

Ihr seid die einzige Band weltweit, die ein eigenes Skateboard-Unternehmen betreibt. Wie kam es dazu?
Brian:
Die Anfänge liegen im Jahr 1983. Damals trat unsere Plattenfirma Placebo Records an uns heran und schlug vor, JFA Skateboards zu machen. Zu der Zeit gab es nicht viele Boards auf dem Markt, die in Bezug auf Form, Größe und Wölbung unseren Vorstellungen entsprachen. Also ergriffen wir die Chance und designten drei eigene – ein normales, eine etwas breitere Ausgabe und eine übergroße Version. Durch die tiefe Wölbung waren unsere Boards dem Steve Alba Bevel Model von Santa Cruz Model sehr ähnlich. Wir nannten sie „müslischalenkonkav“, weil man locker aus den Decks hätte frühstücken können.

Wozu war diese extreme Wölbung gut?
Brian: 
Wir skateten damals in riesigen Fullpipes. Die konkave Form der Decks half uns, in kritischen Situationen mit den Füßen auf dem Board zu bleiben. Außerdem bin ich schon immer gerne die breiten Achsen von Independent gefahren, wie die legendären 215er Trucks, die unglaublich viel Fläche zum Grinden bieten und dadurch ein breites Board erfordern.

Wo werden eure Boards heute produziert?
Brian: 
Unser Freund Danny Creadon von Factory 13 – experimental Skateboards baut sie. So müssen sie nicht von irgendeiner Firma in China verschifft werden, sondern können mit individuellen Formen, Wölbungen und Achsen in Kalifornien angefertigt werden.

Ihr macht hauptsächlich Fishboards. Was ist das Besondere daran?
Brian: 
In erster Linie die Gewichtseinsparung. Die breiten Achsen sind durch das verarbeitete Aluminium sehr schwer, deswegen muss eine Menge hartes Ahornholz verbaut werden, um die schweren Teile zu halten. An den Seiten nehmen wir so viel Holz wie möglich weg, um die Boards leichter zu machen und versuchen, sie funktional zu halten. Die Form ist eine Anspielung auf Tom Inouye und sein Caster Inouye Pool Service Design sowie das Santa Cruz Stinger-Board. Wir haben aber auch schon andere Formen herausgebracht, wie den Don Lincoln, mit dem du einen Graben ausheben könntest. Factory 13 hat auch ein Longboard gebaut, das wir den Liquor Store Cruiser nennen.

Good Old Times

Trauerst du manchmal der Zeit der frühen 80er in Kalifornien hinterher?
Brian: 
Ja, das war eine magische Ära. Auf Punkrocker und Skateboarder schauten alle herab – von den Autoritäten bis zu den eigenen Klassenkameraden. Punkrocker zu sein bedeutete, sich mit einer niemals endenden Verkettung von Konflikten auseinandersetzen zu müssen. Schon allein, weil es keine Skateparks gab. Wir suchten uns leere Pools in Hinterhöfen, Rohrleitungen, Gräben und andere Orte, die nicht zum Skaten gemacht waren, aber ein großes Potenzial hatten.

JFA / Foto Privatarchiv

JFA / Foto Privatarchiv

Was vermisst du an dieser Zeit?
Brian: 
Zu dieser Zeit hat sich niemand freiwillig wie ein Punk oder Skater gekleidet, um cool zu sein. Hast du einen getroffen, wusstest du, dass er sein Herz am rechten Fleck trägt. Die Skate-Sessions damals waren episch. Wir fuhren in leeren Pools verlassener Villen, genossen traumhafte Ausblicke und skateten mit Crews, zu denen Talente wie Steve und Micke Alba, Tony Alva, Christian Hosoi und andere schwere Jungs dieser Zeit gehörten. Wir mussten nur auf der Hut vor der Polizei sein, denn diese Orte waren ein absolutes Tabu. Zu einem Haufen rebellischer Punkrocker zu gehören, machte die Sache im Ernstfall nicht besser.

Wie habt ihr die frühen 80er als Band erlebt?
Brian: 
Aus musikalischer Sicht war es ähnlich. Es gab nicht genug Geld, um Shows zu veranstalten, deshalb fanden Konzerte an inoffiziellen Orten im Untergrund statt, organisiert von Leuten, denen die Musik etwas bedeutete. Zu der Zeit lebten wir in Arizona und immer wenn eine gute Band herauskam, waren wir die ersten, die sie buchten. Wir spielten damals mit vielen großartigen Bands, darunter TSOL, Social Distortion, Adolescents, Circle Jerks, The Vandals, Bad Brains, Minor Threat, Black Flag, Big Boys, GBH, LA’s Wasted Youth, Circle One, ChronGen, Minutemen, Meat Puppets – es waren so viele, ich kriege sie nicht mehr alle zusammen.

Was hat sich in Puncto Punkrock seitdem verändert?
Brian: 
Punkrock bedeutete damals, anders zu sein und Grenzen zu überwinden. Ich glaube, dass es im Kern auch heute noch darum geht, auch wenn einige Leute glauben, dass Punkrock etwas damit zu tun hat, welche Klamotten man trägt.

Wunderschönes Chaos

Hat Punkrock die Skater-Szene damals beeinflusst?
Brian: 
Als wir JFA 1981 gründeten, brauchten die Leute etwas Treibenderes als Peter Frampton, um ihre Skate-Sessions anzuheizen. Die Idee hinter der Band war es, schnelle und laute Musik zu machen, die uns als Soundtrack dienen sollte. So wuchsen Punkrock und Skateboarding immer enger zusammen, sie bedingten sich sogar.

Eure erste Show habt ihr mit zusammen mit Black Flag bestritten. Erzähl uns von dem Abend.
Brian: 
Unser erster Auftritt fand auf einem Gig namens „Industrial Dance“ in Arizona statt. Die

JFA-Show-Flyer aus den 80ern / Foto Privatarchiv

JFA-Show-Flyer aus den 80ern / Foto Privatarchiv

Punkrockszene in Phoenix war damals sehr abwechslungsreich, da spielten künstlerische Avantgarde- neben experimentellen Noise-Bands, New Wave Nummern und eigentümlichen Trios wie den Meat Puppets. An dem Abend hießen wir noch nicht JFA, sondern nannten uns The Breakers. Das fanden wir cool, weil wir gerne Sachen kaputt hauten und brechende Wellen zum Surfen mochten.

Wie kam es zu dem Namenswechsel?
Brian: 
Wir hatten einen Song namens „Jodie Foster’s Army“ und all unsere Rowdy-Skater-Freunde hatten grüne Bandanas um ihre Stahlkappenstiefel gebunden, auf denen JFA stand. Als wir später herausfanden, dass es eine Hippie-Surf-Band namens The Breakers gab, machte es Sinn, sich in JFA umzubenennen – zumal wir diese Bandanas bereits bedruckt hatten.

Zurück zum Gig. Wie war die Stimmung?
Brian: 
Die Show war außer Kontrolle. Die JFA-Bandana tragenden Skatepunks stürmten die Tanzfäche, was für einige Leute in Phoenix, die so etwas noch nie gesehen hatten, wie ein Tumult unter rivalisierenden Gangs aussah. Doch in Wirklichkeit war es ein reines, hemmungsloses und wunderschönes Chaos, ausgelöst durch unseren allerersten Auftritt. Als Black Flag nach uns auf die Bühne kamen, kochte die Stimmung endgültig über. Damals sang noch Dez Cadena – ein ganz anderes Kaliber, als sein Nachfolger Henry Rollins.

Offline Social Network

In den 80ern habt ihr begonnen, mit Thrasher Magazine zusammen zu arbeiten. Welche Rolle spielte das Heft damals in der Szene?
Brian: 
Thrasher Magazine war der Schlüssel zur Skateboard- und Punkrock-Explosion in den 80er Jahren. Kevin Thatcher, Morizen Foche, Fausto Vitello und Ed Riggins haben der Untergrund-Kultur eine Stimme gegeben und haben es Skatern und Punks ermöglicht, ein weltweites Netzwerk zu schaffen. So blieben die Leute aus Milwaukee in Wisconsin auf dem Laufenden, was bei uns in Phoenix, Arizona abging und umgekehrt. Die Skateboard-Szene heute, wäre nicht dieselbe, wenn es kein Thrasher Magazine gäbe, das noch immer die radikale Attitüde der 80er vermittelt.

Was sah eure Mitarbeit aus?
Brian: 
Don und ich haben zu der Zeit oft Fotos und Artikel beigetragen. Manchmal haben sie uns auch zu Contests geschickt, um darüber zu berichten. Doch die Strukturen und Regeln dieser Veranstaltungen haben uns meistens so sehr gelangweilt, dass wir abgehauen sind und einen Pool gesucht haben, in dem wir selbst fahren konnten. Am Ende haben wir dann darüber geschrieben und den Contest unter den Tisch fallen lassen. Später, in den 90ern, hat Thrasher mir dann eine Festanstellung als Autor angeboten, die ich nicht ablehnen konnte. Ich bin nach San Francisco gezogen und wurde schließlich zum Musikredakteur und Art-Direktor ernannt.

Inwiefern haben sich die Punkrock- und Skaterszene von damals verändert?
Brian: 
Beide sind ins Unermessliche gewachsen – das ist gut und schlecht. Gut, weil Bands heute Möglichkeiten haben, die wir nie hatten. Außerdem gibt es mittlerweile Skateparks in jeder größeren Stadt und niemand muss mehr fürchten, verhaftet zu werden, weil er Skateboard fährt oder verprügelt zu werden, weil er Punkrocker ist. Auf der anderen Seite ist unsere Subkultur zum Mainstream verkommen. Es gibt eine Menge Leute, die es nicht verdienen, sich Skatepunks zu nennen. Viele von denen sind bloß auf einen Zug aufgesprungen, um mit etwas, das sie nicht verstehen, Kohle zu machen. Doch unterm Strich ist das jedoch egal, denn die Menschen, die wirklich von Bedeutung sind, wissen, wer echt ist. Allein das zählt.

Check:
jfamusic.com
factory13.org

Diana Ringelsiep / VÖ: Oktober 2013, Punkrock!

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