HASSLIEBE

Ständig muss ich mir anhören, dass ich zu viel hasse. Nicht nur zu viel, auch zu schnell und zu oft. Dabei bin ich eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch. Nur eben sehr emotional. Zugegeben, Hass gehört zu meinen Lieblingsemotionen. Und dabei rede ich nicht von homophoben Pegida-Anhängern oder pädophilen Walfängern – die zu hassen, ist einfach und jeder, der bei gesundem Menschenverstand ist, sollte das tun. Die Feindseligkeit, die mir so viel Freude bereitet, steckt hingegen in unscheinbaren und alltäglichen Details.

Big Hate Theory

So verachte ich beispielsweise voller Inbrunst die Sitcom Big Bang Theory. Es ist mir unbegreiflich, wie man sich auch nur annähernd von so viel ausgelutschtem Nerd- und Blondinen-Klischee unterhalten fühlen kann. Noch dazu scheint dieser Schwachsinn rund um die Uhr zu laufen, nur um mich zu quälen. Das Schlimmste ist, dass ich trotzdem alle Folgen auswendig kenne. Denn irgendjemand in meiner Umgebung bleibt beim Zappen immer daran hängen. Manchmal sitze ich auf der Couch, bin vollkommen in meinen Laptop vertieft, und frage mich plötzlich, woher der unaufhaltsame Tsunami der Wut in mir rührt, der jeden Moment über mich hereinzubrechen droht. Und dann weiß ich es: „Tock-tock-tock: ‚Penny?‘; Tock-tock-tock: ‚Penny?‘; Tock-tock-tock: ‚Penny?‘“ Das Psychopathen-Kabinett der infantilen Wissenschaftler hat sich nach den Simpsons unbemerkt in mein Wohnzimmer geschlichen und ist zum Ulken aufgelegt. Wieder mal. Am liebsten würde ich Dr. Sheldon Cooper am Kragen seines affigen Comic-T-Shirts aus dem Fernseher und ihm dann den Stock aus dem Arsch ziehen, nur um dabei laut „Bazinga!“ rufen zu können. Eine Schande, dass ich dieses Wort überhaupt kenne.

Gift und Galle

Doch natürlich gibt es noch weitere hassenswerte Dinge in meinem Alltag. Die Liste ist lang, angefangen bei Aufklebern auf Lebensmitteln bis hin zu Facebook-Posts, die mit „Memo an mich selbst“ beginnen. Ich meine, die Aufkleber auf Äpfeln und Bananen gehen ja noch, aber wieso zur Hölle klebt man die Dinger auf Brot? Schon mal versucht die abzuknibbeln? Es ist unmöglich! Man muss also immer ein Stück der teuren Biobrot-Kruste abschneiden und in den Müll werfen, wenn man den Sticker nicht mitessen will – eine Tatsache, die mich zur Weißglut treibt. Und was die Memo-Posts betrifft: Wenn es doch eine Erinnerung an euch selbst ist, schreibt sie auf einen verdammten Post-it und klebt sie an den Kühlschrank! Mich interessiert der Scheiß nämlich nicht. Zur Beruhigung höre ich oft Musik. Eins meiner immer gehenden Lieblingslieder ist „Das Lied Vom Hass“ aus der Feder der Kassierer. Gut gelaunt singe ich dann immer mit, wenn es heißt: „Mein kleiner Körper regt sich auf, das Herz schlägt jetzt in schnellem Lauf, drum spei ich Gift und Galle, denn ich hasse euch alle!“ Bei diesen Zeilen geht mir das Herz auf und ruckzuck ist meine Wut verflogen.

Sch(m)erzkekse

Zu guter Letzt wäre da noch eine Sache, die ich vermutlich mehr hasse als alle anderen zusammen – das Verdrehen von Buchstaben. Zum Bleistift… ARRRGGGHHH!! Was zur Hölle denken sich erwachsene Menschen dabei, die einem zum Geburtstag mit den Worten „Herzlichen Glühstrumpf“ gratulieren, einem stolz vom Kauf ihres neuen „Schlepptops“ berichten und ihr „Teflon“ im Kino nicht ausschalten? „Das darf doch nicht Warstein“, mag jetzt manch einer denken, doch mir ist beileibe nicht zu scherzen zumute, denn diese Menschen gibt es tatsächlich. Im „Wurst-Käse-Szenario“ sind diese nicht mal älter als ich. Klar, Humor ist Geschmackssache, doch „an und Pfirsich“ dürfte ja wohl jedem noch so großen Vollhonk klar sein, dass im 21. Jahrhundert niemand mehr über den Grundschulhumor der frühen 90er Jahre lacht. „Lars but not Lisa“ seien noch die erwähnt, die ihre Autos mit einem „Pozilei“-Sticker dekorieren. Ich weiß, „klingonisch, ist aber so“. Wie bitte, ihr habt euch von meiner Hasstirade auch noch unterhalten gefühlt?! Na wenn das so ist, „schitte bön“ – ich bin jetzt raus. Over and out. Bis Baldrian!

 

Diana Ringelsiep / VÖ: April 2015, Punkrock! Zine

Foto: A. Freund

2 Kommentare zu HASSLIEBE

  1. Tuten Gag und Hallöchen Popöchen, liebe Diana.
    Ich kann wirklich verstehen, dass du diese Drehverbuchstaber zum Kotzen findest. Auch ich finde diese Sprücheklopfer, die auf die Frage wie es geschmeckt hat mit „Ausgebrochen gut“ antworten mehr als peinlich.
    Zement mal, leider muss ich dir auch mitteilen, dass ich mich von deiner Hasstirade ein kleines bisschen unterhalten gefühlt habe. „Im Ernst?“, fragst du dich jetzt sicher. „Nein, im Dieter!“
    Was hab ich mich lachgeschlappt. Du hast diese Komik wirklich gefickt eingeschädelt. Hut ab!
    Schon zu Beginn des Abschnitts dachte ich, „Oha, das kann ja Eiter werden“ und sattächlich, du hast mich nicht enttäuscht. Schanke dön, man siebt sich. Hoffentlich nie. Scherz.
    Deine Jennifer 🙂

  2. Diana Ringelsiep // 19. April 2017 um 10:25 // Antworten

    Liebe Jenny,
    wieder einmal hast du mich zutiefst beeindruckt! Ich dachte, ich hätte bereits die größten Klopper ausgegraben, doch du hast es geschafft, mich eines Besseren zu belehren 😀
    Ich ziehe meinen Hut und sende ganz viel Liebe nach San Francisco.
    Diana

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