Rückschritt nach vorn

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Am Schlimmsten ist das Nachhause kommen nach einem langen Arbeitstag. Leerer Kühlschrank, leeres Bett, leeres Körbchen. Keiner, der einen in den Arm nimmt, wenn es einer dieser Tage war, die man schnell vergessen möchte. Keine Hundeküsschen beim Reinkommen. Keine Diskussion übers Fernsehprogramm.

Es ist nicht mal das erste Mal, dass ich mich in einer Fernbeziehung wiederfinde und mit der Gesamtsituation unzufrieden bin. Aber das erste Mal, dass es vorher bereits ein gemeinsames Zuhause gab. Und das ist schlicht und ergreifend scheiße. Denn so weiß ich jeden einzelnen Tag, was ich verpasse.

Plötzlich schreiben wir WhatsApp-Nachrichten statt Einkaufszettel. Sammeln verpasste Anrufe statt Treueherzen bei Edeka. Haben die ganze Bettdecke für uns allein, ohne um sie kämpfen zu müssen. Und trotzdem sind wir uns aus irgendeinem Grund näher als wir es je waren. Dinge, die nach vier Jahren längst selbstverständlich geworden sind, machen plötzlich unheimlich glücklich. Zusammen Gassi gehen. Das Abendessen planen. Händchenhalten. Zum Radio tanzen. Nebeneinander einschlafen. Was früher nebenbei passiert ist, sind heute unsere Highlights.

Manchmal sitze ich abends auf meiner Couch, 538 Kilometer entfernt von deiner, und tagträume von dir. Male mir unsere Zukunft in Pastellfarben aus und fühle mich wie ein verliebter Teenie, der den nächsten Schultag nicht erwarten kann. Leider ist es in der Regel nicht mit einmal Schlafen getan, da muss man schon zwanzigmal allein ins Bett gehen, um ans Ziel zu kommen – für zwei Tage.

Aber die lohnen sich. Immer.

 

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