Las Vegas: Wochenende in Sin City

Seit ich vor einigen Jahren zum ersten Mal von dem Festival in der Wüsten-Metropole gehört hatte, zog es mich dorthin. Letztes Jahr war es dann endlich soweit. Ich begab mich auf den durchgeknalltesten Trip meines Lebens: Zwölf Stunden Flug und neun Stunden Zeitverschiebung für viereinhalb Tage Las Vegas. Dort angekommen, wurden alle Erwartungen meilenweit übertroffen.

Hereinspaziert ins Disneyland für Erwachsene! Live-Musik an jeder Ecke. Bier und Margaritas im Überfluss. Untermalt vom allgegenwärtigen Gebimmel der Spielautomaten. Mit einem Mordsjetlag in den Knochen und einem Pabst Blue Ribbon in der Hand ging es nach der Ankunft im Hotel direkt in den Plattenladen um die Ecke. Denn dieser hatte wenige Stunden zuvor via Instagram ein Anti Flag Akustik-Set angekündigt. Die Pittsburgher hatten das Hinterzimmer bereits ordentlich eingeheizt – sagen wir, auf 38°C. Die Stimmung war grandios, immerhin sangen die Anwesenden einem kollektiven Kreislaufkollaps entgegen.

Vegas, Baby!

Vegas, Baby!

Nach dem Konzert waren wir bereits seit über 24 Stunden auf den Beinen und der Jetlag drohte uns gerade in die Knie zu zwingen, als wir erfuhren, zufällig vor genau dem Club zu stehen, in dem Me First And The Gimme Gimmes auftreten sollten. Also rissen wir uns zusammen, holten neues Bier und gaben uns weitere drei Konzerte, bis die Fun-Punks sich schließlich die Ehre gaben. Meine Beine schlotterten vor Kälte in dem Open-Air-Club. Wüstennächte = Kalte Nächte. Zu ausführlicheren Gedanken war mein übermüdetes Gehirn nicht mehr in der Lage. Nach 32 Stunden ohne Schlaf, fielen wir ins Bett.

Was in Vegas passiert…

Ausflug ins Fledermausland

Ausflug ins Fledermausland

Vier Stunden später, um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, waren wir wieder hellwach. In Vegas entsprach das 7:00 Uhr morgens, der Tag war also noch jung. Frühervogelmäßig holten wir uns einen günstigen Mietwagen und fuhren durch das sagenumwobene Fledermausland zum Red Rock Canyon. Perfektes Kontrastprogramm zur Halligallikultur der Stadt. Doch fünf Stunden und einen Abstecher zum Hoover Damm später, zog es uns wieder zurück aufs Festival-Gelände (das genauer gesagt aus einem Parkplatz besteht). Denn es stand Rancid auf dem Programm!

Die Show, die sie an dem Abend auf dem Hauptgelände, einem Parkplatz, spielten, war die mit Abstand beste, die ich je von ihnen sehen durfte. „And Out Come The Wolves“, meine Lieblingsplatte, am Stück! Ich war im Himmel. Selig tigerten wir im Anschluss durch unzählige Bars zum Hotel zurück. Am nächsten Tag fand eine der legendären Poolpartys statt. Das Schwimmbecken befand sich auf dem Dach unseres Hotelcasinos und war um eine kleine Bühne erweitert worden, auf der an diesem Tag u.a. Booze & Glory spielen sollten. Tätowierte Punks, wohin man sah. Live-Musik. Füße im Wasser. Knallende Sonne und eiskaltes Bier. Das Paradies, schon wieder.

…bleibt in Vegas!

Endlich traf ich meine Freunde aus Los Angeles, die ich seit drei Jahren nicht gesehen hatte und wir feierten uns um den Verstand. Als sich die Party gegen 18:00 Uhr dem Ende neigte, ging es auf den Zimmern weiter. Laute Musik und neue Gesichter überall. Knutschende Pärchen in fremden Betten, starke Drinks von netten Menschen, koksende Unbekannte über kitschigen Couchtischen. Willkommen in Sin City! Als wir in unserem Zimmer wach wurden, war es Nacht. Wir hatten unsere Schlafklamotten an und nicht den geringsten Schimmer, wie wir dort hingekommen waren. Dann dämmerte es uns: Wir hatten Refused verpasst! Ganz großer Abfuck! Und trotzdem irgendwie geil.

Da läuft mir Roger Miret über den Weg und hält mein Heft in den Händen!

Da lief mir doch echt Roger Miret über den Weg und hielt mein Heft in den Händen!

Als ich am nächsten Tag verkatert über das Festivalgelände schlenderte und mich nach Merch umsah, traute ich meinen Augen nicht. Neben mir stand Roger Miret und hielt ein Punkrock! in der Hand. Er käme gerade vom Ruhrpott Rodeo, wo Bocky ihm das Heft gegeben habe, berichtete er. Verrückte kleine Punkrockwelt. Eins ist klar, von diesem Trip werden wir noch an unserer Goldenen Hochzeit erzählen. Vielleicht nicht alle Details, doch auf jeden Fall das Ende, als ich meine letzten zwei Dollar in den einarmigen Banditen steckte und 85 herausbekam. Viva Las Vegas.

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