Rebel Rockers: Garagen-Fashion

Kleider machen Leute, das ist auch in Subkulturen nicht anders. Als Sascha Jaekel Ende der Neunziger Jahre beginnt, T-Shirts zu bedrucken und Board-Rohlinge mit der Sprühkanne zu bearbeiten, macht er das, um Geld zu sparen. Denn die immer teurer werdenden Skateklamotten kann er sich auf Dauer nicht leisten. Aus der Improvisation heraus entsteht das Garagenlabel Rebel Rockers. Eine Marke, die heute für bezahlbare Skatermode mit Punkrockattitüde steht. Im Gespräch erzählt der Düsseldorfer, wie er es schafft, von seinem D.I.Y.-Betrieb zu leben und weshalb ihn die heutige Skaterszene in mancherlei Hinsicht ordentlich ankotzt.

Das Label Rebel Rockers ist nicht durch eine herkömmliche Firmengründung entstanden, sondern aus der Not heraus. Wie hat alles angefangen?
Sascha:
Mein alter Skate-Buddy und ehemaliger Kompagnon Patrick K. brachte gut 110 Kilo auf die Waage und hatte einen dementsprechenden Boardverschleiß. Wegen unserer dauerhaften Geldsorgen fingen wir Ende der Neunziger an, uns blanko Decks zu besorgen, aus denen wir mit Edding und Sprühkanne unsere ersten Unikate schufen. Durch eine Siebdruck Connection, kamen wir dann auf die Idee, uns auch eigene Shirts zu machen. Es dauerte nicht lange und wir wurden immer öfter gefragt, wo es die Sachen zu kaufen gibt. Unsere Antwort war leider immer dieselbe – nirgends.

Wie kam es dazu, dass sich das änderte?
Sascha: 
Ein guter Kumpel und späterer Rebel-Teamfahrer hat damals den Mailorder beim Boardstein rebel rockersMag gemacht. Als die Jungs Interesse zeigten, unseren Stuff zu verkaufen, kam es schließlich zur Firmengründung. Wir haben ein paar Euro für Boards und eine Kiste voll Shirts zusammengekratzt und schon ging es los. Eigentlich wollten wir nur „Rebel“ heißen, doch zwischenzeitlich hatte sich ein Billig-Alleskönner aus China den Namen gesichert. Also musste eine Alternative her. Zu dem Zeitpunkt existierten bereits Sticker mit der Aufschrift „Rebel Rockers“, die wir eines Abends unter Motorhead-Beschallung gebastelt hatten. Diese Sticker klebten bereits auf diversen Boards und Autos, also stand der Name fest.

Ihr bezeichnet euch selbst als „kleine sympathische Garagenfirma, die etwas anderen Stuff zu einem humanen Kurs anbietet“. Welche Philosophie steckt dahinter?
Sascha: 
Kleine Garagenfirma, weil wir tatsächlich seit acht Jahren in einer ehemaligen Garage werkeln. Der vordere Teil ist zum Shop umgebaut, hinten geht es mit dem vollgepröfften Lager und der Werkstatt weiter. Etwas anderer Stuff deshalb, weil wir nie denselben trendtypischen Scheiß wie andere Skate-Brands machen wollten. Dabei ist uns ein humaner Kurs wichtig, weil wir damals genau aus dem Grund zur Firma gekommen sind – wir wollten einfach nur skaten, doch die dicken Ami-Brands ließen sich ihr Holz und ihre Textilien fürstlich bezahlen, was wir uns nicht leisten konnten. Deshalb versuchen wir, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis zu halten.

Gut & Günstig

Wo werden eure Sachen produziert und wie definierst du günstig?
Rebel Rockers Sascha: 
Unsere Boards kommen aus den USA und sind ab 40 € bei uns im Shop zu haben, Textilien wie Sweater oder Jeans lassen wir in Kleinauflagen in Portugal schneidern. Die Zusammenarbeit ist vor acht Jahren durch die Stiefmutter meiner Freundin zustande gekommen, die als Textilagentin arbeitet. Und wenn eine Röhrenjeans, die beim Skaten bombig sitzt und von der insgesamt nur hundert produziert werden, bei uns für 45 Euro im Shop zu haben ist, dann finde ich das günstig und fair.

Wie schaffst du es bei diesen Preisen, den Laden am Laufen zu halten?
Sascha: 
Vom Label allein kann ich nicht leben, ohne unsere Philosophie über Bord zu werfen. Doch durch unseren Standort in einer kleinen Nebenstraße sparen wir Miete, zudem drucken und produzieren wir nebenher Klamotten und Boards für Hinz und Kunz. Jüngst haben wir zum Beispiel in Portugal Zipper und Hoodies für Die Toten Hosen gemacht, letztes Jahr hatten wir auch eine Kollaboration mit Fortuna Düsseldorf. Aber auch kleine Bands, wie zuletzt Massendefekt, versuchen wir mit Kleinauflagen von Zippern und Shirts zu versorgen. Das mache ich gerne, wenn es mal nicht der Fruit Of The Loom Müll sein soll.

Gibt es Bands, für die du nicht produzieren würdest?
Sascha: Auf jeden Fall, Geld ist nicht alles. Ich bin mit Sicherheit nicht der politisch aktivste Mensch, aber irgendwo muss eine Grenze sein. Bei fragwürdigen Grauzonen-Bands ist Schluss. Alles Extreme kommt sowieso nicht in Frage.

Euer Name spricht für sich. Doch wie genau unterscheiden sich eure Designs von dem „trendtypischen Scheiß“ der Konkurrenz?
Sascha: 
Natürlich war vieles schon da und das Rad neu zu erfinden, ist bekanntlich so eine Sache… Man kann jedoch vieles verfeinern, was ich persönlich sehr gerne mache. Das Rebel in unserem Namen stand von Anfang an für das Querdenken in einer sehr uniformierten, intoleranten Szene. Warum also nicht kranken Scheiß aufs Shirt drucken, obwohl sich die Masse derweil mit Shirts von Onkel Nike ziert. Rockers ist der Teil unseres Namens, der an meine Musikvorlieben andockt und auch optisch immer wieder zitiert wird.

Mode-Diktatur

Was hörst du für Musik und wie spiegelt sie sich in euren Designs wider?Rebel Rockers Boards
Sascha: 
Gib mir Punkrock, alten Ska, Skin-Reggae oder flotten Northern Soul und ich bin dabei. Über die Jahre gesehen, sind viele Designideen in Kneipen und auf Konzerten entstanden – Textpassage gehört – und zack hatte ich ein Bild dazu im Kopf. Das Johnny Cash Skateboard mit der Songzeile „Walk The Line“ war zum Beispiel eine solche Eingebung.

Du sprichst von einer „uniformierten und intoleranten Skaterszene“. Woran machst du das fest?
Sascha: 
Früher hat man sich getroffen um zu skaten. Da war es ganz egal, wie man angezogen war, welches Board man gefahren ist oder welche Mucke man gehört hat. Da lief an der Rampe erst Exploited und danach RUN DMC. Heute sind die Leute wie gefangen in ihren Hypes. Viele sehen nur noch aus wie ein Spiegelbild ihres Nebenmanns im Skatepark und am Abend laufen sie in ungeschnürten Lederboots nach Hause, statt in stinkenden Skateschuhen – weil es gerade angesagt ist.

Wie wichtig ist Mode in der Skater- und Punkrock-Szene?
Sascha: 
Unter Skatern geht Mode mehr denn je in die unterschiedlichsten Richtungen – von lässig bis geleckt ist alles dabei. Was ich in den letzten Jahren an Trends gesehen habe, ist mitunter erschreckend. Und die Kids verlangen dann noch, dass man bei jedem Scheiß mitzieht. Ich finde, das muss nicht sein: Schuster bleib bei deinen Leisten! Punkrock wie ich in mag und kennengelernt habe, ist dagegen angenehm simpel: Jeans, Shirt und Jacke – fertig biste! Was will man mehr?

Was sind deine persönlichen Lieblingsmarken?
Sascha: 
Ich sitze bei Rebel natürlich an der Quelle und lasse viele Prototypen in meiner Größe anfertigen, damit bin ich gut versorgt. Bevor ich Shirt-Fehldrucke wegschmeiße, kommen auch die bei mir in den Schrank. Schuhe trage ich meisten Vans und von Northface habe ich eine fette Winterjacke, da hört‘s aber auch schon auf. Unterhosen und Socken kaufe ich no name in der Metro.

Ideenschmiede

Wer sind die Illustratoren, die eure Motive umsetzen und wer hat die Ideen?
Sascha: 
Momentan haben wir nur einen Grafiker an der Hand – Thomas Erven. Ein genialer Typ, der leider aber auch viel beschäftigt ist. Ich selbst bin der Mann fürs Grobe, ich nenne es immer Kartoffeldruck, den klassischen Siebdruck eben. Denn ich habe leider nie gelernt, mit Freehand oder so etwas zu arbeiten. Die meisten Ideen kommen von mir und werden dann nach und nach ausgearbeitet. Das funktioniert leider nicht immer, weil manche meiner grafischen Wünsche schlichtweg nicht umsetzbar sind.

Woher holst du deine Inspirationen?
Sascha: 
Ich lasse mein Gehirn rödeln und halte die Augen offen. Im Moment tragen aber auch Thomas und Sebastian, viele gute Ideen an mich heran. Die zwei arbeiten auch viel für andere Labels und Festivals wie Rock am Ring und wie bereits gesagt, an solchen Orten entstehen die besten Ideen. Das schont meine strapazierte Birne ein wenig – danke Jungs!

Ihr produziert bereits ab einer Auflagengröße von zehn Boards. Heißt das, ich kann mit meinem eigenen Motiv zu euch kommen?
Sascha: 
Ja, sofern das Motiv mit Siebdruck in der Boardmitte umsetzbar ist, machen wir das. Auch rebel rucksackshirtmäßig legen wir schon bei einer Stückzahl von fünfzehn los. Ich biete das an, weil ich selbst jahrelang nach Textil- und Boarddruckoptionen gesucht habe, die in Kleinmengen produzieren. Es gibt so viele Jungs da draußen, die genau wie wir damals, ein kleines Label starten wollen und sich die Standardauflagen nicht leisten können. Solche Leute möchte ich unterstützen.

Skatest du selbst noch oder spielt das alles mittlerweile nur noch eine berufliche Rolle für dich?
Sascha: 
Na klar! Seit 27 Jahren steht der Rebel-Säsch nunmehr auf dem Board. Erst heute habe ich noch im Skatepark die letzten warmen Sonnenstunden genutzt. Ich habe mein Hobby mit bisschen Glück zum Beruf machen können.

Check:
rebelrockers.com
facebook.com/pages/Rebel-Rockers-Skateboards

Diana Ringelsiep / VÖ: Oktober 2013, Punkrock!

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