Nächtliche Fitness-Vorsätze

Es gibt zwei Arten von Menschen: Jene, die um sieben Uhr morgens ein Foto posten, das sie vorm Spiegel ihres Fitnessstudios zeigt (#healthylife) und die anderen, deren Selfies erst nach Feierabend entstehen – mit einer Pulle Bier in der Hand und einem Stück Pizza zwischen den Zähnen (#prostmahlzeit). Ich gehöre zu letzteren.

Nicht, dass ich nicht total gerne sportsüchtig wäre, wie die ganzen Verrückten im Fernsehen und in meiner Facebook-Timeline. Endorphinausschüttung, Ehrgeiz, Glücksrausch – das klingt verlockend, doch aus irgendeinem Grund scheine ich gegen diese positiven Begleiterscheinungen immun zu sein. Die Sucht will sich einfach nicht einstellen. Das war damals schon mit dem Rauchen so. Während alle anderen auf den Nägeln kauten, wenn die Kippen alle waren, hat es mir nichts ausgemacht, auch mal eine ganze Woche nicht zu rauchen. Wahrscheinlich ist süchtig werden einfach nicht mein Ding. So ein Mist. Doch im Frühling überkommt es mich dann trotzdem jedes Jahr aufs Neue. Ich reaktiviere meine Runtastic-App und spiele Sportskanone. Leichtfüßig tänzle ich dann durch die Straßen und freue mich, dass ich endlich mal wieder dazu komme, etwas für mich zu tun.

#MuskelkaterDesGrauens

Bullshit, natürlich nicht. Vielmehr schleppe ich mich mit schmerzenden Waden und brennender Lunge von einer Laterne zur nächsten und frage mich, weshalb ich mir das antue. Klar, fühlt es sich gut an, anschließend frisch geduscht und ausgepowert auf der Couch den Tag ausklingen zu lassen. Aber spätestens, wenn am nächsten Morgen der Muskelkater einsetzt, bin ich bedient. Ich habe Freundinnen, die Muskelkater „ein bisschen geil“ finden. Entschuldigung, aber ich gehe ja auch nicht saufen, weil ich so gerne Kopfschmerzen habe. Man muss sich ja nun wirklich nicht alles schönreden. Zumindest bedarf es da bei mir schon ein paar mehr Tricks, um mich bei Laune zu halten. Letztes Wochenende hatte ich dann eine Idee. Gut, es war drei Uhr nachts und ich hatte einen achtstündigen Sekt-Brunch sowie weitere vier Stunden Kneipe hinter mir, doch angeschwipst hat man ja bekanntlich die besten Ideen.

#NichtFitAberSchön

Und meine war einleuchtend: Neue Klamotten will man ständig tragen, also musste bloß ein neues Lauf-Outfit her und schon würde ich mich vor lauter Motivation nicht mehr einkriegen können. Noch in derselben Nacht bestellte ich ein Paar Laufschuhe mit Schrittdämpfung, eine neue Jogginghose sowie ein atmungsaktives Top mit gekreuzten Rückenträgern. Ein wasserdichter Plan. Der mir am nächsten Morgen nicht mehr richtig einleuchten wollte, als ich die Rechnung von 147,85 Euro in meinem Emailpostfach fand – exklusive Expressversand, schließlich war der Plan, gleich Montagabend loszurennen. Betrunken hat man eben doch eher semi gute Ideen! Doch das würde ich natürlich niemals zugeben. Der Plan ist daher aufgegangen. Vorerst. Denn am Montag habe ich nach der Arbeit meine neuen Profischuhe angezogen und bin losgelaufen. Fluchend. Von Laterne, zu Laterne. Geil war das nicht – nicht mal ein bisschen. Aber meine neuen Schuhe, die sind wunderschön.

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