The Silver Shine: On Tour

In den vergangenen Jahren ist es ruhig um die Rockabilly-Szene geworden. The Silver Shine aus Budapest trotzen dieser Entwicklung und kommen mit einem neuen Album auf Tour. Gitarrist und Sänger Anti Edge über die Wiederbelebung der Szene und die aktuelle politische Stimmung in seiner Heimatstadt.

Ihr macht seit zwölf Jahren zusammen Musik. Was hat sich über die Jahre verändert und was wird sich niemals ändern?
Ati Edge:
Wir haben als Punkrockband mit Kontrabass und Horror-Texten angefangen und das Ganze mit einem Schuss Psychobilly gewürzt. Nach der vierten Platte hat das mit dem Horror-Einfluss nachgelassen, bis auf den letzten Alben schließlich nichts mehr davon übrig war. Musikalisch hat sich jedoch nicht viel verändert. Wir nennen das „Vintage Punk ’n‘ Roll“. Unsere Songs stecken voller Herzblut, das wird sich niemals ändern – es sei denn, wir hören auf, Musik zu machen.

Wie kam es zu der Veränderung eures Schwerpunkts?
Wir haben den Sound gefunden, den wir immer gesucht haben. Zwar haben wir nie aufgehört, Punkrock mit kreischenden Gitarren, lauten Drums und Kontrabass zu machen, doch seit Krista 2007 an Bord kam und zu singen begann, sind wir angekommen.

Psycho-Politcs

Wir kennen uns noch aus der Zeit als ich fürs Dynamite Magazine geschrieben habe. Das Heft wurde mittlerweile wegen mangelnder Nachfrage eingestellt und ich habe den Eindruck, dass es auch um einige Billy-Bands ruhig geworden ist. Woran liegt das?
Ati: 
Stimmt, die Szene ist längst nicht mehr so stark wie sie einmal war. Es kommen auch kaum neue Bands nach. Doch immerhin wird es dieses Jahr ein neues Nekromantix-Album geben und auch die Tiger Army bringt eine neue Platte raus. Ich hoffe, dass diese Bands es schaffen, der Szene wieder Leben einzuhauchen. Vielleicht ziehen dann auch andere Bands nach, von denen man länger nichts gehört hat.

Ungarn verfolgt eine sehr strenge Flüchtlingspolitik. Wie ist die Stimmung diesbezüglich in Budapest?
Ati: Die Flüchtlinge haben unser tiefstes Mitgefühl, denn unsere Politiker haben sich für schlichtweg für den falschen Weg entschieden. Dennoch ist es nicht leicht, die Lage objektiv beurteilen zu können. Die Medien zeigen immer bloß eine Seite der Medaille, um unsere Meinung zu formen. Diese einseitige Berichterstattung kann schnell zu einer Hass-Kampagne werden und solche könne besonders bei uns in Ungarn, aber auch im restlichen Europa sehr gefährlich werden.

Gibt es eine aktive Polit-Punk-Szene in Budapest?
Anti: Natürlich. Die Szene ist nicht übermäßig groß, aber es gibt einige gute Leute, die sich für kleine Organisationen engagieren und helfen, durch diese schweren Zeiten zu kommen. Bei „Food Not Bombs“ machen zum Beispiel einige Punk- und Hardcore-Kids mit. Sie kochen für Obdachlose und sind auch sonst immer zur Stelle, wenn es irgendwo brennt.

On The Road

Die kommenden Monate werdet ihr euch wieder auf große Tour begeben. Was steht diesmal auf dem Plan?
Ati: Wir werden hauptsächlich in Slowenien, Frankreich, Spanien, Deutschland und der Schweiz unterwegs sein. Um die 20 Shows stehen auf dem Programm. Anschließend werden wir uns ein paar Tage ausruhen und dann noch ein paar Shows in Tschechien und Ungarn spielen. Unter anderem auf Ungarns größtem Harley Davidson Biker-Treffen und einigen Festivals. Im August kommen wir dann ein zweites Mal in Deutschland vorbei.

Macht euch das Touren zu weltoffeneren Menschen?
Ati: Definitiv! Wir haben auf unseren Touren bereits 34 Länder auf der ganzen Welt bereist und dabei unglaublich viele Kulturen kennenlernen dürfen. Wenn ich mich für eine Sache entscheiden muss, die ich in all den Jahren gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis, dass Respekt das wichtigste Gut auf unserem Planeten ist.

Tourdaten:

22.05.2016 – Ludwigsburg, Rock’n’Roll Bar
23.05.2016 – Freiburg, Slow Club
24.05.2016 – Düsseldorf, Ptcher
26.05.2016 – Hameln, K3
27.05.2016 – Kiel, Schaubude
28.05.2016 – Berlin, Wild At Heart
29.07.2016 – Rohr, Riedfest Open Air

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