Wölli: Bis zum bitteren Ende

Wenn es Gott wirklich gibt, stellt der sich da oben aber gerade ne geile Band zusammen.“ Als der Tod von Prince vor wenigen Tagen die Runde machte, brachte es dieser Tweet auf den Punkt. Erst Lemmy. Dann Bowie. Dann Prince. Und jetzt auch noch Wölli. Diesmal trifft es auch mich. Und zwar hart. 

1995 habe ich von meinem Taschengeld mein erstes Punk-Album gekauft – „Reich & Sexy“ von den Toten Hosen. Ich war damals zehn Jahre alt und Wolfgang Rohde saß noch am Schlagzeug der Band, die von diesem Tag an maßgeblich dazu beigetragen hat, mich zu dem Menschen zu machen, der ich heute bin. Die Best-Of-Platte der Düsseldorfer hat mit Songs wie „Sascha“ damals die Weichen für meine Dorfjugend gestellt. Dafür bin ich unfassbar dankbar. Denn ein paar Jahre später habe ich auf Onkelz-Autos gespuckt, anstatt an der Bushaltestelle in ihnen rumzuhängen. Ich habe es nie verpasst, wählen zu gehen und mein Kreuz immer auf der richtigen Seite gesetzt. Und ich habe Freunde gefunden, die verdammt noch mal besten, die man sich vorstellen kann – weil unser Herz für dieselbe Sache schlägt: Punkrock!

Ob ich diesen Weg auch ohne Die Toten Hosen gegangen wäre? Keine Ahnung, aber ein anderes Leben will ich mir nicht vorstellen. Wölli wird nach Tourbus-Fahrer Uwe Faust und Manager Jochen Hülder nun das dritte Familienmitglied der Toten Hosen sein, das in der Düsseldorfer Band-Gruft seine letzte Ruhe finden wird. Meine Gedanken sind heute Abend bei seiner Familie. Mehr bleibt nicht zu sagen, außer vielleicht: Fick dich, 2016. Fick dich, Krebs. Und fick dich Facebook, für eine weitere Todesnachricht – diesmal zwischen „Game of Thrones“-News und einem Post zum „Tag der Pinguine“.

 

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