Rigaer94: Randale vorm Balkon

Ich wohne am Dorfplatz, einer Kreuzung im Friedrichshainer Nordkiez, die durch das dort ansässige Hausprojekt Rigaer94 als Berlins Epizentrum linksextremer Gewalt gilt. Seit das Erdgeschoss des teilbesetzten Wohnobjekts vor zwei Wochen geräumt wurde, schleppe ich mich morgens mit pandabärigen Augenringen zur Arbeit. Denn die tägliche Schepper-Demo, Schlachtrufe bis tief in die Nacht und lautstarke Auseinandersetzungen mit der allgegenwärtigen Polizei lassen an Schlaf nicht denken. Dabei wäre die Lösung so einfach.

Letzten Winter hat es mich in den Wahnsinn getrieben, dass jeden Abend ein bis zwei Polizeiwannen angerückt sind, um die verlassene Kreuzung vor meiner Tür zu sichern. Denn abgesehen davon, dass die Einsatzkräfte woanders sicherlich sinnvoller hätten eingesetzt werden können, mussten diese sich vor Langeweile auch noch ihre Ärsche abfrieren. Das hatte zur Folge, dass sie rund um die Uhr die Motoren ihrer alten Busse laufen ließen. RATTATTATTATTATTATT! An Nachtruhe war dank des scheppernden Blechs meist nicht mehr zu denken. RATTATTATTATTATT! Nacht für Nacht wurden die bibbernden Beamten vor meiner Haustür dafür bezahlt, auf ihre Smartphones zu starren, während anderorts Flüchtlingsunterkünfte brannten und ich drauf und dran war, wegen unnötig laufender Motoren und Ruhestörung die 110 zu wählen. Eine Geduldsprobe für mich und meine Nachbarn, eine unglaubliche Ressourcen- und Geldverschwendung für die Stadt Berlin.

 

Uniformierte Belagerung

Manchmal, wenn die Langeweile für die Polizisten unerträglich wurde, fingen sie wahllos an, Passanten zu kontrollieren und sie breitbeinig wie Schwerverbrecher an die Hauswand zu stellen. Provokation? Ein Schelm, wer Böses denkt – natürlich alles reine Vorsichtsmaßnahmen. Glänzten die exekutiven Uniformträger dann ausnahmsweise doch mal mit Abwesenheit, wurden sie durch pausenloses Zünden von Böllern direkt wieder in den Kiez zurückzitiert. Die Bilderbuch-Hassliebe nahm ihren Lauf. Am 22.06.2016 wurden schließlich Teile des Hausprojekts geräumt. Seitdem kommen jeden Tag hunderte Menschen auf die Kreuzung, um sich lautstark mit der Rigaer94 zu solidarisieren („Ganz Berlin hasst die Polizei!„). Ihnen gegenüber verharrt ein Großaufgebot der Polizei in Schutzanzügen, deren bloße Anwesenheit die Stimmung zum Brodeln bringt. Ich sage mal so, seither hat es sich nicht nur ausgeschlafen, sondern auch austelefoniert und ausgefernseht. Denn in meiner Wohnung verstehe ich seit zwei Wochen mein eigenes Wort nicht mehr. Die Nerven liegen blank – bei mir oben gleichermaßen wie auf dem Platz unten.

 

Über den Fronten

Und wie so oft, wenn man glaubt, es könne nicht schlimmer kommen, ist gestern dann genau das passiert. „Geh‘ bloß nicht in die Rigaer„, wurde mir im Vorbeigehen von einem entgegenkommenden Typ geraten, als ich gegen 23:30 am Frankfurter Tor ankam. „Schwierig, wenn man da wohnt„, antwortete ich und machte mich mit einem unguten Gefühl auf den Weg. Als ich in die Liebigstraße einbog, kamen mir hektische Menschengruppen entgegen. „Geh‘ da bloß nicht hoch und hau ab!„, rief jemand von der anderen Straßenseite. Doch ich dachte gar nicht daran. Im Gegenteil, das Maß war voll. Auf 180 bahnte ich mir einen Weg durch die weglaufenden Leute, bis ich von einer Reihe behelmter Polizisten gestoppt wurde, die mich aufforderten, nach Hause zu gehen. Natürlich wollte ich ihren Ratschlag beherzigen, doch als sie erfuhren, wo genau ich wohnte, eröffneten die Polizisten mir, dass es gerade kein Durchkommen gäbe und ich es in einer Stunde noch mal versuchen solle.

 

Haut ab!

Ich spürte die angesammelte Wut der vergangenen Wochen in mir überkochen. Ich hatte alles ertragen. Die blechernen Polizeiwannen, die mich einen ganzen Winter nicht hatten schlafen lassen. Die Tatsache, dass ich mein Auto am Tag der Räumung nicht bewegen konnte, weil es von 30 (!) Einsatzfahrzeugen zugeparkt war. Und auch die unnötigen Provokationen gegenüber Demonstranten, die ich von meinem Balkon aus beobachtet hatte. Doch mich nach einem langen Arbeitstag -den ich bereits übermüdet hatte antreten müssen- nicht zu meiner eigenen Wohnung durchzulassen, setzte dem ganzen Irrsinn die Krone auf. Und so begann ich mit einem der Darth Vader-ähnlichen Beamten zu diskutieren. Ich diskutierte, bis ich verwarnt und schließlich dazu aufgefordert wurde, mich „zu entfernen“. Am Ende dauerte es über eine halbe Stunde Überzeugungsarbeit, bis ich nach Vorlage meines Personalausweises zu meiner Wohnung durchgelassen wurde. Und jetzt frage ich die Berliner Polizei: Ernsthaft?! Ist das eure Taktik, dazu beizutragen, dass die Stimmung im Nordkiez nicht kippt? Denn dann sage ich euch noch was: Würden die unzähligen Mannschaftswagen und gebrustpanzerten Beamten vom Dorfplatz endlich abgezogen, würden wir alle wieder schlafen können. Denn eins kann ich euch nach einem Jahr auf meinem Beobachtungsbalkonposten versichern: Die einzigen ruhigen Nächte, die ich in der Rigaer Straße erlebt habe, waren die, in denen keine Polizei zu sehen war. Also haut ab. Haut endlich ab!

10 Kommentare zu Rigaer94: Randale vorm Balkon

  1. Raus mit den Linken, das Haus komplett für Flüchtlinge umbauen und es wird schlagartig ruhiger. #refugeeswelcome
    lg – ein weiterer Nachbar der nicht mehr die Klappe hält!
    #wirsinddernordkiez

  2. #dubistsichernichtdernordkiez
    Wie die gute Frau schon schrieb waren die Nächte ohne Polizei vorher ruhig und angenehm. Die Linken antworten zwar genauso laut und provokativ aber ausgehen tut es sicher nicht von ihrer Seite.
    „Ein weiter Nachbar der nicht mehr die Klappe hält“…du bist hier der einzige der das primäre Problem bei den Linken sieht, zudem bezweifle ich das du nur in der Nähe der Rigaer wohnst wenn du die Flüchtlingsinstumentalisierung noch für möglich hältst…

  3. Noch ein Nachbar // 7. Juli 2016 um 14:17 // Antworten

    Ich stimme dem NACHBARN absolut zu.
    Die Polizei mag nervig sein, aber die Linken Krawallspackos sind es auch, und zwar immer.
    Ich habe die Schnauze schon lange gestrichen voll als Nachbar und endlich sagen nun auch andere, dass sie genervt sind.
    Ob Flüchtlinge oder nicht dort hin sollen oder nicht, egal –
    Raus mit den Chaoten oder sie hören endlich auf, der gesamten Nachbarschaft ihren Lebensstil aufzwingen zu wollen.
    @Rigaer 10.: Er ist bestimmt nicht der einzige. Ganz sicher nicht, so gern ihr das möchtet.

  4. Ihr selbsternannten Nachbarn, eine Frage.
    Wer hat die Straße eigentlich instand gesetzt vor 20 Jahren?
    Die aufrechten Deutschen Trümmerfrauen oder eben diese „Linken Krawallspackos“?
    Soweit ich das richtig erinnere wren das letztere und zwar zu einer Zeit, zu der in der Straße noch kein Lichtlein brannte.
    Und das, was hier einige Präsentieren nennt man übrigens Identifikation mit dem Aggressor.

  5. Wer die Straße instand gesetzt hat? Sie war Sanierungsgebiet. Also: Hausbesitzer, gefördert vom Bezirk.

  6. Und wer von den schnöden Bewohnern ist warum dort hin gezogen? Weil es so hipp und cool war. Die Rigaer ist seit dem Fall eine Ikone in der „linken Szene“ und Berlins. Ich sage nur, selber schuld. Zieht doch weg, vielleicht kann die Straße dann wieder das werden, was sie einst mal war. Ein schönes Stück Berlin. Natürlich instrumentalisieren gerade Idioten auch diese Straße für sich. Mir geht es aber um die Scheinheiligkeit einiger angeblicher „Anwohner“.

  7. Augen auf bei der Wohnungswahl! selber schuld wenn man in so einer assi-straße leben will

    • What about the fact that the gravity of a mass has negative energy associated with it8l2&30;name#y -mc^2?Wait, what? That means that mass can appear out of nothing with it’s gravitational field balancing it out – the total energy is zero!In fact physicists reckon the total energy of the universe IS zero (providing it’s flat) and therefore could easily come out of nothing.

  8. Dieser Konflikt bzw. das Muster seiner Abläufe sind nicht neu. Alles schonmal da gewesen. Beide Seiten bekleckern hier sich nicht mir Ruhm. So leid mir die Kids tun, die zusehen mussten, wie ihr Vater zusammengetreten und -geschlagen wird: Sie vom Balkon ein Statement ablesen lassen…. hätte man früher ‚einüben können‘. Oder sie in eigenen Worten sagen lassen sollen, was sie gesehen haben. Oder sie ganz da raushalten. Das war wirklich peinlich und hätte man sich sparen können.

    Die andere Seite: Henkel wusste ganz genau, welche Reaktionen er hervorruft, indem er 300 Beamte auffährt, Fahrhräder von derem Hof wegnimmt, und ihnen indirekt mit Strafe droht, sollte jemand seins zurückhaben wollen (wieviele Leute in deinem Haus können beweisen, der Besitzer ihres Rads zu sein?). Kurz vor dem Sommerloch, wenige Wochen vor den Wahlen, die er eh nicht in Frideedrichshain zu gewinnen gedenkt. Ist dem doch scheißegal, ob hier die Leute genervt sind. Wichtig sind die Wahlkreise, in denen es eng werden könnte bzw. die weit genug weg liegen, so dass sich Wähler nur aufgrund einer zumeist oberflächlichen Berichterstattzung das Bild zurechtzimmern können: Die Zecken aus der Rigaer brennen unser schönes Berlin ab, und Superhenkel rettet uns vor denen.

    Immer wieder heißt es, der Konflikt habe dieses Jahr damit begonnen, dass ein Streifenpolizist von Linken angegriffen und verletzt wurde. Geht doch mal zum besagten Bäcker, der jüngst das Hausverbot an Beamte erteilt hat. Der hat den Angirff gesehen. Bisschen gestolpert und hingefallen. Von Verletzung nix zu sehen. Aber 500 Beamte plus Fahrzeuge auffahren lassen, und offen zugeben: Wir wissen, dass die Täter da gar nicht mehr drin sind. Das ganze ist fadenscheidig und grotesk. Er schürt hier so offensichtlich das Feuer, und das nicht im Dienste der Anwohner oder der freiheitlich demoktratischen Grundordnung.

    Er hat jüngst von sich gegeben, die Rigaer94 werde nicht sein zweites Vietnam. Wer sowas von sich gibt, kann noch so zurückrudern wie er möchte: Das ist eines so wichtigen amtes einfach nicht würdig.

  9. Hey wir leben gerne hier auch mit ein paar Chaoten vor der Tür….normalerweise kommen die nicht jeden Tag und seit 2 Jahren ist es ja eigentlich eh recht ruhig geworden… den ganzen Mist veranstaltet unser Innensenator zu seinen Propagandazwecken und die schöne freie Presse hilft noch mit falscher Berichterstattung, den Mitbürgern im Westen, ein Bild des Grauens aus der Rigaer Straße zu schicken.
    Die Bullenpräsenz nervt und es reicht uns mit kriminalisiert zu werden. Darauf hat keiner Lust.

    DESHALB:

    HAUT ENDLICH AB…

    Dann können sich die Autonomen auch mal wieder in Ruhe hier treffen und müssen nicht so viel grölen und alle Nachbarn können sich auch wieder erfreuen in einem bunten Bezirk zu leben und nicht in Charlottenburg.

    Ja es ist etwas bunter hier und manchmal auch lauter… dafür lebt es……

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