Bye bye, Berlin!

Es ist soweit, meine Tage in Berlin sind gezählt. Und wie so oft im Leben geht nun alles schneller als gedacht. Ende des Monats werde ich meine Koffer packen und ein letztes Mal nach Essen fahren – dann hat es sich ausgependelt. Ich bin erleichtert, dankbar, überglücklich und gleichzeitig ein klitzekleines bisschen wehmütig. Denn hinter mir liegt ein wilder Ritt mit den Besten.

Der Plan war ein anderer, als ich vor einem Jahr zurück nach Berlin gekommen bin. Ich freute mich, nach drei Jahren im Ruhrgebiet wieder in meiner Herzensstadt zu sein und natürlich auch auf die Herausforderung, bei einer bekannten Agentur eine Magazin-Redaktion aufzubauen. Endlich konnte ich wieder mit meinen lang vermissten Superbuddies pfeffischlürfend durch die Straßen schlendern und Pizza im Ritrovo futtern. Doch die Sache hatte einen entscheidenden Haken: Ich vermisste meine Jungs, die abends plötzlich über 500 Kilometer entfernt von mir in Bett und Körbchen fielen. Und überhaupt hatte sich einiges in der Stadt verändert, in der ich sieben lange Uni-Jahre gefeiert und gekatert hatte. Eine neue Generation war in unsere Fußstapfen getreten und tobte durch die Stadt, während meine einstigen Komplizen zu Wein- und Babyphoneexperten mutiert waren.

Kaltes Wasser

Doch der neue Job forderte mich anfangs fast rund um die Uhr und die täglichen Überstunden ließen mir nicht viel Zeit für Fernbeziehungsblues. So flog eine Woche nach der anderen ins Land und ich alle 14 bis 21 Tage nach Hause, um dort zwischen Tür und Angel für ein paar Stunden Beziehungsalltag zu spielen. Wir entwickelten uns zu regelrechten Fernbeziehungssuperhelden und hielten an unserem Vorhaben fest: Durchhalten und weitermachen, bis es dem beamteten Lehrer nach ein bis zwei Jahren erlaubt sein würde nachzukommen. Die sonntäglichen Abschiede am Flughafen waren trotzdem scheiße und der beleidigte Hund brach mir jedes Mal aufs Neue das Herz, wenn er mich schon beim Kofferpacken keines Blickes mehr würdigte. Doch irgendwie war es okay, denn wir hatten unser Ziel vor Augen und dank meiner Dreamteam-Kollegen bot mir meine Arbeit eine wunderbare Ablenkung. Selten habe ich einen Zusammenhalt im Job wie den zu dieser Zeit erlebt. Unser Pensum war zwar hart und es war nicht immer leicht, allen Anforderungen gerecht zu werden. Doch wir ergänzten uns perfekt und hatten eine ziemlich gute Zeit.

Geil, ähm, oh… doch nicht.

Doch dann änderte sich alles. Denn nachdem die Redaktion ein halbes Jahr später fertig aufgebaut und an den Kunden übergeben worden war, blieben nicht nur die Überstunden aus (yay!), sondern auch die journalistischen Aufgaben, für die ich gekommen war (nay!). Anstatt ein Autoren-Team anzuleiten, Themen zu planen und zu Interviews rauszufahren, fand ich mich plötzlich in einem luftleeren Agenturraum wieder, in dem es keine Herausforderungen mehr für mich gab. Die Wochen verflogen nicht mehr. Sie glichen einem zu lang gekauten Hubba Bubba – zäh und ohne Geschmack. Daran konnte weder das weltbeste Team noch das Gratisbier am Abend etwas ändern. Ich vermisste Essen und erwischte mich immer häufiger dabei, von einem Alltag in unserer Rüttenscheider Wohnung anstatt von einer gemeinsamen Zukunft in Berlin zu träumen, denn irgendwie schien auch mir das wilde Hauptstadtleben nicht mehr so viel zu bedeuten wie noch vor ein paar Jahren. Doch das behielt ich erst mal für mich. Es folgte ein gewisser grauer Märznachmittag in Holland. Frierend stand ich im US BOMBS-Pullover da und sagte „JaJaJaaaa!“ als mein Lieblingsmensch mir einen Ring auf den Finger schob. Es wurde ein sehr gintonicreicher Tag, denn vor lauter Aufregung konnten wir gar nicht mehr aufhören miteinander anzustoßen. Nie zuvor hatte ich weniger Lust, zurück nach Berlin zu fahren wie nach diesem Kurzurlaub.

Quasi morgen

Der Gin Tonic-Dienstag kurbelte unsere Zukunftsplanung an und bald erfuhren wir, dass nicht nur ich den tätowierten Lehrer haben wollte – Nordrhein Westfalen wollte ihn auch. Und zwar so sehr, dass man ihm fünf Jahre Wartezeit bis zur Versetzung in Aussicht stellte. Entschuldigung, bitte was?! In dem Moment war für mich alles klar. Ich würde nach Hause gehen. Als ich es endlich aussprach, machte sich eine riesige Erleichterung in mir breit. Der Entschluss hätte sich nicht besser anfühlen können. Eilig hatte ich es trotzdem nicht, Berlin zu verlassen. Redaktionsjobs lagen schließlich nirgends auf der Straße, erst recht nicht im Ruhrgebiet, und ich hatte auch nichts dagegen, noch ein paar schöne Monate mit meinen Berlinern zu verbringen. Aber dann, aber dann. Dann ging plötzlich alles ganz schnell und da war er, der Job mit journalistischem Schwerpunkt – vier U-Bahn-Stationen von unserer Essener Wohnung entfernt. Zu schön, um wahr zu sein, fand ich. Klappt eh nicht, dachte ich. Und dann drückte jemand die Vorspultaste: Mails, Telefonate, Treffen, Gespräche. Das volle Programm.
Und plötzlich hatte ich ihn.
Schwuppdiwupp.
Time to say bye bye.

Sentimentaler Abschiedsbeitrag folgt.

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