Bretonische Glücklichkeit

Zwei längst überfällige Wochen Urlaub liegen hinter uns und natürlich sind sie viel zu schnell verflogen. Doch anstatt euch jetzt die schönsten Ausflugsziele an der französischen Smaragdküste aufzuzählen, habe ich acht Highlights herausgepickt, die überall auf der Welt glücklich machen – auch Zuhause.

Wie urlaubsreif ich nach dem vergangenen Jahr tatsächlich war, merkte ich erst, als ich nach unserer ersten Nacht in der Bretagne aus einem 16-stündigen Tiefschlaf erwachte. Welchen Wochentag haben wir? An welchem Projekt arbeite ich gerade? Muss ich dieses Wochenende nach Hause fliegen? All das schoss mir innerhalb von Sekunden durch den Kopf. Erst dann realisierte ich, wo ich war und ließ mich zurück ins Kissen sinken. Keine lärmende Baustelle vor meinem Fenster, kein Termin in meinem Planer. Zeit für die wichtigen Dinge im Leben.

Schönschlafen

Bretagne GartenIch liebe Schlafen, das war schon immer so. Allerdings bin ich auch sehr gerne lange wach. Im Alltag eine denkbar ungünstige Kombination. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt vor Mitternacht ins Bett gegangen bin. Wann auch immer das passiert sein soll, ich muss wahnsinnig jung oder krank gewesen sein. Diesem Dilemma habe ich es zu verdanken, mir jeden Morgen beim Verlassen des Bettes vorzunehmen, direkt nach der Arbeit wieder hineinzukriechen. Doch wenn ich zehn Stunden später nach Hause komme, passiert immer dasselbe. Ich netflixe, telefoniere und whatsappe, schreibe Blog-Artikel (es ist übrigens gerade 23:50 Uhr) und plötzlich spricht Domian im Hintergrund schon wieder mit irgendeinem transsexuellen Rentner, der gerade den Krebs besiegt hat und über seine Spielsucht reden will – mein Zeichen, mal wieder im Frühzubettgehen versagt zu haben. Im Urlaub gibt es diese Probleme nicht. Da lasse ich meinem Anti-Rhythmus freien Lauf. Ich lese Bücher weg wie BuzzFeed-Listen und schreibe und spiele und denke und lache und trinke und plane. Bis es hell wird. Und dann schlafe ich bis in die Puppen. Geil.

Fremdshoppen

Frankreich BierZugegeben, ich habe eine Schwäche für ausländische Supermärkte. Lange regalgesäumte Gänge, vollgepackt mit unbekannten, tollen Sachen (jaja, hinein ins Weekend-Feeling). Je größer der Laden desto besser. Stundenlang kann ich zwischen Kühltheke und Kassenband umherschreiten und dabei eine Begeisterung an den Tag legen, als würde ich Versailles besichtigen. Was man da alles findet! Pfandfreie Getränkedosen, verrücktes Gebäck, unbekannte Käsesorten, Bier in 250ml-Fläschchen, kunstvoll verzierte Desserts, wunderschöne Rotweinflaschen, sonderbare Moskito-Kerzen und viele andere wunderbare Dinge. Auch diesmal musste ich alles haben und stellte erst auf der Rückfahrt fest, dass ich kein einziges zusammenhängendes Gericht gekauft hatte. Aber wer braucht das schon, wenn er Fanta aus Dosen trinken und in ein krustenloses Sandwich beißen kann? Eben. Neben meiner geliebten Dijon Senfmayonnaise hat in diesem Jahr außerdem ein pinkfarbenes Himbeerbier das Rennen gemacht. War zwar nicht besonders lecker, aber PINKES BIER! Hallo?

Blumenpflücken

LandhausIch habe nicht den geringsten Schimmer, wann ich vor diesem Sommer zuletzt Blumen gepflückt habe. Wahrscheinlich war ich acht oder neun Jahre alt und trug eine dieser schrecklichen Ponyfrisuren, die einem damals immer verpasst worden sind. Als wir letzte Woche mit Chewie durch die bretonischen Felder streiften, fielen mir plötzlich die vielen bunten Blumen am Wegesrand auf. Reflexartig pflückte ich ein paar Mohnblumen und wurde sofort von dem altbekannten Ehrgeiz aus meiner Kindheit gepackt: Es sollte der schönste Blumenstrauß der Bretagne werden! Ich kletterte in Gräben und an Hängen herum und sammelte Margeriten, Kornblumen, Hortensien und alles was sonst noch schön aussah und bunte Blätter besaß. Mit jeder Blume und jedem Halm wurde der Strauß größer und schöner und als wir nach einer Stunde wieder am Ferienhaus ankamen, war er perfekt. Ich platzierte ihn in einer Karaffe auf unserem Gartentisch und freute mich von da an jeden Abend über die idyllische Landhausatmosphäre, wenn ich vor unserem Bruchsteinhaus saß, die Wildblumen ansah und mir weichen Brie aufs Baguette schmierte. Ganz ehrlich, geht mal wieder Blumen pflücken. Das macht unglaublich glücklich.

Nachmittagsschwipsen

BretagneEin weiser Mann namens Harald Juhnke hat das mit dem großen Glück einmal folgendermaßen zusammengefasst: „Keine Termine und leicht einen sitzen.“ Wie wahr! Nichts ist besser als ein kribbelnder Nachmittagsschwips, wenn man nirgends mehr hin muss. Die Franzosen haben das erkannt und eigens dafür einen 3%-Cidre erfunden, mit dem es sich auch am hellichten Tag stilvoll betüdeln lässt. Unsere erholsamsten Tage waren die, an denen wir es nicht mal geschafft haben, den Garten zu verlassen. Stattdessen lagen wir mit einer Flasche Cidre unter einem Baum im schattigen Gras und waren damit beschäftigt, uns sehr französisch zu fühlen. Wir redeten über Schnaps und die Welt und sagten Dinge wie „Oh, mon amour, je suis très fatiguée“. Und mit jedem Schluck des kühlen Apfelweins wurden wir alberner und der Tag noch ein bisschen schöner. Das Beste an dieser Entspannungsmethode ist, dass man nicht mal wegfahren muss, um sie in die Tat umzusetzen. Egal, ob Spätibier am Boxi oder Prosecco auf dem Balkon: Hauptsache der Schwips sitzt, noch bevor andere Leute Feierabend machen. Mehr Urlaub geht nicht.

2 Trackbacks & Pingbacks

  1. Freundinnenzeit auf Mallorca – Urban Lifestyle Trash
  2. Jahresrückblick: Holy Shit! – Urban Lifestyle Trash

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*