Green Day: Die 12. Revolution

Foto-Credit: Frank Maddocks

Es scheint das Jahr der großen Pop-Punk-Comebacks zu werden. Denn nach Blink 182  und Billy Talent melden sich nun auch Green Day mit neuer Platte zurück. Ihr zwölftes Album „Revolution Radio“ soll am 7. Oktober erscheinen und die verlorenen Seelen dieser Welt vereinen und zum Tanzen bringen. Zumindest erklärt Frontmann Billy Joe Armstrong so das Vorhaben seiner Band. So viel sei verraten: Die erste Single „Bang Bang“ hält was sie verspricht.

Ein Partykeller-Abend ohne „Dookie“ in Dauerschleife war um die Jahrtausendwende undenkbar. Was haben wir das Album rauf- und runtergespielt, während wir uns mit Colabier und Apfelkorn betranken. Dabei hatte die 1994 erschienene Platte damals bereits einige Jahre auf dem Buckel. Uns war das egal, denn sie öffnete uns die Türen zu einer Welt jenseits von Destiny’s Child und Busta Rhymes. Eine aufregende Zeit. Über Green Day kamen wir zu NOFX, Millencolin und Rancid. Wir wurden, wer wir heute sind.

Nach einer Weile ließ die „Dookie“-Sucht nach. Wir verloren das Interesse an unserer Einstiegsdroge und tauchten immer tiefer in eine Punkrockwelt ein, in der es keinen Platz für Plattenmillionäre gab. Als die Kalifornier 2004 dann mit „American Idiot“ gegen die George W. Bush-Regierung protestierten und damit auch jüngere Leute erreichten, konnten wir endlich die alten Hasen geben („Ich hab‘ die schon gehört, bevor sie angefangen haben, Krawatten zu tragen!“). Kurz darauf schloss ich endgültig mit dem Thema Green Day ab. Geschadet hat ihnen das nicht, zumindest sprechen die 75 Millionen verkauften Platten, fünf Grammy-Auszeichnungen und die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame dagegen. Missgönnt habe ich ihnen den Erfolg trotzdem nicht. Im Gegenteil, immerhin haben sie der Punkrockszene damals zu einem Aufschwung verholfen, von dem viele große und kleine Bands profitiert haben.

In ihrer neuen Single „Bang Bang“ rechnen sie nun ausgerechnet mit der Medienlandschaft ab, in der sie selbst zu den erfolgreichsten Bands überhaupt zählen: „Bang bang give me fame /Shoot me up to entertain / I am a semi-automatic lonely boy„. Der treibende Sound in Verbindung mit Armstrongs Stimme katapultieren direkt in die eigene Jugend zurück. In eine Zeit, in der amerikanischer Skatepunk noch rebellisch war und man von einer Kellerparty zur nächsten lebte. Schnulzige Ausrutscher wie „Boulevard of Broken Dreams“ sind auf der Stelle vergeben und vergessen. Green Day sind zurück und haben ihr Gespür für Punkrock wiederentdeckt – das beweisen sie mit einem ziemlich geilen Video. Ganz ohne Krawatte. Danke für diese Zeitreise. Ich bin gespannt, was noch kommt.

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