Live: Fightball & Reno Divorce

Foto-Credit: Punkrock Secretary's Pictures

Nachdem ich im vergangenen Jahr meine Wochenenden meistens in Berlin verbracht und bei meinen Essen-Besuchen lieber mit meinen Jungs die Couch gehütet habe, war es letzten Freitag an der Zeit, mal wieder den Panic Room unsicher zu machen. Dass dieser während meiner Abwesenheit in Don’t Panic umbenannt und komplett renoviert worden war, hatte ich bereits beim Terrorgruppe-Konzert im Februar registriert. Richtig bewusst geworden ist mir das alles jedoch erst bei Reno Divorce am letzten Freitag, weshalb ich mit einem leichten Anflug von Nostalgie in den Abend startete.

Nichtsahnend, was sich hinter dem Support-Act Fightball verbarg, betrat ich also etwas wehmütig den kleinen Konzertraum und wurde auf wunderbare Art und Weise umgehauen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mit einer Hardcore-Band gerechnet, doch das, was die fünf Musiker da ablieferten, war facettenreicher Punkrock, ganz nach meinem Geschmack. Sowohl die Stimme des Sängers als auch seine akrobatischen Einlagen erinnerten an Arnim Teutoburg-Weiß und auch der Sound weckte Beatsteaks-Assoziationen – jedoch ohne dabei wie ein Abklatsch zu wirken. Die Songs hatten allesamt Wumms und schafften es immer wieder durch unerwartete Trompeten-, Mundharmonika- und Keyboardeinsätze zu überraschen. Die Bühnenpräsenz der einzelnen Bandmitglieder war beeindruckend und ich fragte mich gerade, wo die Wahnsinnstruppe herkommen mochte, als Sänger Phil verkündete: „Schönen guten Abend, wir sind Fightball aus Berlin!

Besser spät als nie!

Die Überraschung des Abends: Fightball aus Berlin

Die Überraschung des Abends: Fightball aus Berlin

Bitte was?! So ganz komme ich immer noch nicht drüber weg, wie hatten wir denn die ganze Zeit aneinander vorbeileben können? Ganze zehn Jahre! Während ich mich fassungslos weiterfreute, sie doch noch entdeckt zu haben und die Luft im Hinterzimmer immer stickiger wurde, drehte die Band zur Höchstform auf. Sänger Phil mischte sich mit seinem Mikro unters Publikum, Daniel und Roger nahmen mit ihren (Bass-)Gitarren bald die ersten Reihen ein, um eine ordentliche Show abzuliefern. Phil verschwand daraufhin singend durch die Tür und im Publikum kam kurz die Frage auf, ob er wohl auf Toilette musste. Doch anscheinend hatte er bloß dem Kassenmann eine kleine Showeinlage bieten wollen. Für mich hatte sich der Abend jedenfalls schon allein für die Schließung meiner Fightball-Bildungslücke gelohnt, dabei kam der Haupt-Act noch: Reno Divorce!

Fanboy-Interaction

Reno Divorce

Brent Loveday schwelgte in Erinnerungen ans Düsseldorfer AK47

Bei dem Punk’n’Roll-Trio aus Colorado war die Hütte dann gut voll. Frontmann Brent Loveday überzeugte wie immer mit Whiskystimme und Rockstar-Attitüde. Der Mob tanzte wie von Sinnen. Während bei Fightball evtl. nicht alle Anwesenden meine Euphorie geteilt hatten, waren sich bei Reno Divorce alle einig: Punkige Gitarrenriffs mit einem Schuss Country – das ging gut ab! Nicht umsonst wird die „Beste Punkband Denvers“ immer wieder mit Social Distortion verglichen. Brents Nähe zu den Fans tat ihr Übriges: Ghettofäuste mit den Leuten in der ersten Reihe, ein Motörhead-Duett mit einem Freiwilligen – da ging selbst dem härtesten Kerl das Herz auf. Doch nicht nur der Frontmann sorgte für Begeisterung: „I saw you four times, but your new drummer is an animal!“ Brent lachte gequält: „Thank you, now I have to pay him more.“ Nach dem „letzten Song“ folgten Zugaben über Zugaben. Und während die Fans sich nicht mehr einkriegten vor Glück, schlich ich mich schon mal nach hinten zum Merchendise-Stand – die Platten von Fightball kaufen.

Tourdaten und weitere Infos findet ihr hier:
facebook.com/renodivorce
facebook.com/Fightball

Foto-Credits:
Punkrock Secretary’s Pictures

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