Berlin: Kampf dem Kältemonster

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Die Tage werden kürzer und die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Der Berliner Winter ist als besonders erbarmungslos bekannt. Doch während wir auf dem Weg zur U-Bahn über eine kalte Nasenspitze jammern, leben in der Hauptstadt mehrere Tausend Menschen auf der Straße. Die Gründe für Obdachlosigkeit können vielseitig sein: Schicksalsschläge, Arbeitsplatzverlust und Privatinsolvenz, aber auch Gentrifizierung, Scheidung und Suchtprobleme zählen dazu. Die soziale Initiative „Rise Against The Kältemonster“ (RATK) setzt sich vor allem in der nasskalten Jahreszeit für Obdach- und Wohnungslose, Straßenkinder und Flüchtlinge ein. Kommendes Wochenende findet im Friedrichshainer Club VOID und im Kulturhaus Kili eine große Soliparty statt, deren Einnahmen komplett in die Kältebekämpfung fließen werden. Weshalb es so wichtig ist, zu helfen, und wie Initiator TOMTOE zu „Rise Against The Kältemonster“ gekommen ist, erzählt er im Interview.

Seit wann engagierst du dich bei RATK und wie bist du dazu gekommen?
Ich bin von Anfang an dabei, aber solange gibt es das Projekt auch noch gar nicht. Die ersten Ideen und Konzepte zu „Rise Against The Kältemonster“ sind Anfang 2014 entstanden. Im Grunde kam es durch den Austausch mit anderen Helfern wie Hilfsorganisationen und Kollektiven dazu, selbst eine Initiative ins Leben zu rufen.

Wie sieht eure Arbeit aus und wie viele Leute sind dabei?
Das ist schwer zu sagen, wir sind schon viele aber eine genaue Zahl vermag ich nicht zu nennen. Es gibt auch keine Stammhelfer, jeder bringt sich so ein wie er kann und möchte. Wir versuchen, Kunst, Kultur und soziales Engagement miteinander zu verbinden und organisieren Soli-Flohmärkte, Auktionen und Veranstaltungen, die wir jeweils dem Tages- oder Nachtleben entsprechend anpassen. Zudem sind viele von uns ohnehin stark aktiv – sei es ehrenamtlich oder als Sozialarbeiter.

Unzumutbare Zustände

Gab es ein Schicksal, das sich besonders berührt hat?
Mich berührt jedes Schicksal. Vor allem dann, wenn eine Notlage durch einseitige und systembedingte Ungerechtigkeit, Narzissmus oder Alexithymie begründet ist. Einen besonderen Fall gab es eigentlich nicht, der mir in Erinnerung geblieben ist. Ich habe bereits viel gesehen und miterlebt. Ein Cousin von mir hat sich zum Beispiel aufgrund familiärer Probleme und der Angst vor der Obdachlosigkeit vor einen Zug geworfen. Ich selbst bin mit 17 von Zuhause ausgebrochen und war einige Zeit wohnungslos. Der Wohnblock, in dem sich später meine erste eigene Bude befand, lag gegenüber eines Asylbewerberheims und ich konnte die allgemeine Ablehnung, die in der Nachbarschaft herrschte, nicht nachvollziehen. Somit begann ich schon damals, mich mit sozialer Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen.

Wann bist du zum ersten Mal aktiv geworden?
Im Grunde kurz darauf. Ich wollte die vorherrschenden Vorurteile nicht unreflektiert übernehmen, also beschloss ich mit einem Freund, den ich vom Skateplatz kannte und der selbst ursprünglich aus Ghana war, mir selbst ein Bild zu machen. Wir gingen zum Asylbewerberheim herüber und schauten uns um. Was wir dort sahen, war erschreckend und sehr traurig. Dort lebten viel zu viele Menschen auf engstem Raum. Das Gebäude an sich war in einem katastrophalen Zustand. Löcher klafften in den Wänden und einige Räume hatten nicht mal eine Tür – ganz zu schweigen vom Zustand der Küchen und sanitären Anlagen. Von da an besuchte ich meine Nachbarn von gegenüber immer öfter und gewann viele neue Freunde.

Feiern gegen Kälte

Was ist für kommendes Wochenende geplant und was passiert mit den Einnahmen?
Soli-Rock & Roll mit Mucke vom Feinsten und Nazis auf keinsten! Ich will gar nicht zu viel verraten. Neben dem, was wir bisher veröffentlicht haben, erwartet euch ein wirklich schönes Setup mit vielen weiteren Gimmicks und Überraschungen. Die Einnahmen des Abends verwenden wir für Kältebekämpungsmittel wie Schlafsäcke und Decken, vor allem aber für weitere Schlafplätze und Soli-Zimmer.

Wie kann man sonst noch helfen?
Sagt all euren Freunden Bescheid und erscheint zahlreich und in Feierlaune – es gibt diesen Samstag keine andere Party in der Stadt! Wer sich einen Platz auf der Gästeliste verdienen möchte, bringt einfach einen sauberen und intakten Schlafsack mit oder meldet sich via Email oder Facebook für den Auf- und Abbau an. RISE AGAINST THE KÄLTEMONSTER!

 

Welche Musiker neben Infidelix noch am 24. September im VOID-Club und im Kulturhaus Kili zu sehen sein werden und alles weitere zur „Soliparty x Kältemonster“ erfahrt ihr hier.

Kältemonster

 

1 Kommentar zu Berlin: Kampf dem Kältemonster

  1. The American people and the people of Houston, Texas have exactly the government they elected. And they are going to get what they deserve, good and hard. Pity, really, but decades of arguments amounting to &q#3;;don&uo9tt be stupid, don't be evil," have failed to persuade Americans from following their dreams and electing J-L and Obama. What is to be done?

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