Interview: The Walking Dead

Foto Credit: AMC / German Comic Con

Keine Angst, ich werde keine Namen spoilern. Versprochen. Doch nach der letzten „The Walking Dead“-Folge beruhigt es euch vielleicht zu wissen, dass die Darsteller nicht wirklich sterben. Ich kann das bezeugen, denn ich habe vor einer Weile Laurie Holden getroffen, die mir in der Serie drei Staffeln lang als Andrea auf die Nerven ging. Die gute Nachricht: Sie hat weder gemüffelt, noch hing ihre Haut in Fetzen herunter.

Die erste Folge der siebten „The Walking Dead“-Staffel hat mich nachhaltig verstört. Und das ist weniger der Tatsache geschuldet von wem man sich verabschieden muss als der brutalen szenischen Umsetzung. Ich bin nicht empfindlich und nach sechs Jahren Zombie-Apokalypse so einiges gewohnt. Trotzdem ist es mir wirklich schwer gefallen, die besagte Folge zu gucken. Zurück blieb kein WowWasFürEinAuftakt-Gefühl, sondern bloß ein dicker Kloß im Hals. In den vergangenen 179 Folgen haben die „Beißer“ bereits für einige Schockerszenen gesorgt. Doch was Negan der Truppe zu Beginn von Staffel 7 antut, gleicht einem dreiviertelstündigem Porno der Gewalt. Die Szenen ziehen sich abartig in die Länge, die Kamera hält immer voll drauf und einige Figuren werden zu Entscheidungen gezwungen, die die eigenen Nerven auf eine perverse Zerreißprobe stellen. Kein Wunder, dass Regisseur Greg Nicotero bereits klarstellen musste, dass es den Schauspielern gut geht.

Andrea lebt

Als ich Laurie Holden vor einem Jahr auf der German Comic Con in Dortmund zu einem kurzen Interview getroffen habe, hatte sie ihren eigenen Serientod bereits hinter sich. Für mich im Nachhinein der weitaus beruhigendere Beweis dafür, dass dort nach Drehschluss niemand in seiner Blutlache liegenbleibt. Umgeben von zwei abschreckenden Bodyguards, wie Michonne von ihren Ketten-Zombies, lächelte die Schauspielerin ein perfektes Hollywood-Lächeln und gab mit ihren kurz angebundenen Antworten die distanzierte Diva. Ihr Lieblingscharakter: „Hershel.“ Weshalb gerade er? Offenbar eine gute Frage. Die Schauspielerin legte ein perfektes Denkergesicht inklusive Stirnfältchen auf und dachte nach. Um genau zu sein, dachte sie sehr lange nach. Dann hob sie die Schultern und sagte: „I don’t know.“ Nennen wir es ein eher schleppendes Interview. Erst mit der Frage nach ihrer Beziehung zu den anderen Darstellern konnte ich der Blondine schließlich mehr als einen Satz entlocken. „Ich habe noch immer Kontakt zu allen anderen, wir stehen uns sehr nah. Schließlich teilen wir in der Serie alle dasselbe Schicksal, nämlich einen schrecklichen Tod. Irgendwann trifft es jeden, das schweißt zusammen.“  Holden lächelte und wirkte plötzlich sehr viel aufgeschlossener. „Wir treffen wir uns alle regelmäßig“, begann sie zu plaudern, „wir feiern zusammen Geburtstage, gehen gemeinsam essen und verabreden uns an Feiertagen.“

Too much!

Nach der brutalen ersten Folge der siebten Staffel bin ich der damals etwas unterkühlten Laurie Holden heute dankbar. Denn offenbar erfreute sie sich auch nach ihrem Serienableben noch bester Gesundheit. Die Meinungen über die besagte Folge sind gespalten. Die einen feiern sie ab, die anderen sind entsetzt – doch beide Lager gleichermaßen geschockt. Für mich war das Ganze definitiv zu viel des Guten. Ich muss nicht in Echtzeit dabei zugucken, wie Protagonisten zu Brei geschlagen werden, die mir über Jahre ans Herz gewachsen sind. Ich muss bei Gewaltorgien nicht so nah dran sein, dass ich den physischen wie psychischen Schmerz selbst spüren und nach dem Ende der Sendung nicht mehr ablegen kann. Die siebte Staffel startete mit einer Grenzüberschreitung, von der man sich erst mal erholen muss. „The Walking Dead“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsserien. Daher hoffe ich, dass das Gemetzel künftig wieder den „Beißern“ überlassen wird, denn im Gegensatz zu Negan schaue ich den eigentlichen Bösewichten der Serie tatsächlich gerne beim Blutbaden zu. Nahezu euphorisch von Laurie Holdens letzter Antwort, bedankte ich mich für das Gespräch und bat sie abschließend noch um ein Foto für meinen Artikel. „No pictures, please“, warfen sich ihre Bodyguards schützend vor sie, noch bevor sie antworten konnte. „Sorry“, flüsterte sie und schob mir unbemerkt eins der Fotos von sich zu, die Fans für Autogramme kaufen konnten. Also irgendwie doch ganz nett, die Andrea.

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