Gedanken einer WortAGGRObatin

Foto: Ramona Beinroth

Wege kreuzen sich. So auch meiner und der von Schriftstellerin Jennifer Hilgert. Ich sah sie im letzten August auf dem Ruhrpott Rodeo. Ich war betrunken, sie hochschwanger. Doch kennengelernt haben wir uns erst einige Tage später – virtuell. Jennifer, die eigentlich mit ihrem Mann in San Francisco wohnt, hatte meinen Festivalbericht entdeckt und beschlossen, mich für ihren Blog zu interviewen.  Nun ist ihr neuer Wort-Bildband „DichtBlick – wenn kunst gedanken kriegt“ im epubli-Verlag erschienen. Eine liebevolle Sammlung umwerfender Kreativität.

Dichterin Jennifer Hilgert und Künstlerin Diana Frasek haben mit „DichtBlick“ eine Symbiose aus Kunst und Lyrik geschaffen, die sie LiterArt nennen. Das Ergebnis ist ein Buch zum Abtauchen, Nachdenken und Aneignen – denn die Seiten wollen gelesen, die Illustrationen bestaunt und einige sogar bemalt werden. Stellenweise fordert ein Scherenschnitt den Leser sogar dazu auf, einzelne Seiten aus der Spiralbindung herauszutrennen – um die Lieblingszeilen immer bei sich zu tragen oder das Lieblingsbild aufhängen zu können. Jennifer hat sich nie vorgenommen, Gedichte zu schreiben: Es ist einfach so passiert.

Wunschtrunken verabschiede ich
kopfüber mich ins Wattegefühl des Schwebens.

Ihre entstaubte Poesie widmet sie dem Alltäglichen: verkopften Staatsmännern, dem Tod und der Liebe. Bilder wie Jennifer sie mit Worten zeichnet, malt Diana Frasek mit Aquarell. Auch sie mag es entzaubert: Schwarze Outlines, weiße Körper und farbenfrohe Hintergründe zeichnen ihre Bilder aus. In DichtBlick treffen die beiden Talente aufeinander und ergänzen die Werke der jeweils anderen auf eine faszinierende Art. Zugegeben, ich war skeptisch, als mich das Buch mit der herzlichen Widmung erreichte. Gedichte – waren das nicht diese schwermütigen Textzeilen aus einer anderen Zeit? Wirre Wortfolgen, die man einst auswendig lernen und deren Reime man mit As und Bs kennzeichnen musste… Doch ich beschloss, mich auf die Hommage an das gemalte Wort einzulassen – und wurde belohnt. Jennifer hat das Talent, Worte auf eine nie gehörte Weise miteinander zu kombinieren. Zurück blieben ein Lächeln und der Wunsch, das Gelesene noch einmal zu lesen. Und danach noch einmal.

Doch die Leidenschaft zum Schreiben
wird fürwahr auf immer bleiben.

Jennifer markiert ihre Macken, hängt freiheitsliebend in den Seilen und heult sich die Augen blind. Über 44 Seiten spaziert sie mit ihrer Komplizin auf Pinselfüßen durch den Wort-Bildband und schafft es, eine eingestaubte kreative Saite in mir zum Klingen zu bringen, die ich lange nicht gehört habe. Und dann fällt mir alles wieder ein: Auch ich habe es vor langer Zeit geliebt, poetische Wortfolgen zu Papier zu bringen und weiße Leinwände in bunte Bilder zu verwandeln. Und plötzlich frage ich mich, wann ich damit aufgehört habe. Mit Kunst und Poesie verhält es sich laut Jennifer ähnlich: Entweder sie spricht einen an, oder man spricht sich gegen sie aus. In diesem Fall ist mein Urteil schnell gefällt. DichtBlick spricht mich nicht bloß an, sondern verspricht eine Inspiration zu werden.

„DichtBlick – wenn kunst gedanken kriegt“ kann hier bestellt werden.

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