Interview: 5 Jahre Freak Show

Foto: Freak Show Privatarchiv

Am Grendplatz in Essen Steele befindet sich eine Punkrock-Perle der besonderen Art. Eine steile Treppe führt runter in den weit aufgerissenen Schlund der geisterbahnartigen Kreatur, in dessen Bauch sich die Freak Show befindet. Fünf Jahre ist es her, dass die Eheleute Ela und Benny Nordvall dort am 13. Januar 2012 die Eröffnung ihrer außergewöhnlichen Kneipe gefeiert haben. Heute ist der zähnefletschende Keller mit den Dildo-Türgriffen und den Kronkorken-Wänden nicht mehr aus der Szene wegzudenken. Besitzerin Ela hat einen Blick auf fünf Jahre Freak Show zurückgeworfen und verraten, was für die kommenden zwei Geburtstagswochenenden geplant ist.

Wie lautet die Top 3 eurer Lieblingsfreaks?
Da gab es so viele, dass es mir schwer fällt, mich bloß auf drei festzulegen. Wir hatten so viele nette Gäste, legendäre Bands und klasse DJs – irgendwie waren das alles Tops! Besonders schön finde ich, dass die Freak Show mittlerweile zu einem Familienbetrieb geworden ist, denn mein Sohn Michel schmeißt seit Längerem mit uns zusammen die Theke und wenn meine Tochter Kim Zeit hat, knöpft sie euch bei Konzerten den Eintritt ab.

Das Ambiente der Freak Show ist einzigartig im Ruhrgebiet und erinnert mich an meine Lieblingsläden in Berlin und New York. Woher nehmt ihr eure Inspiration – gibt es „Vorbilder“?
Am meisten inspiriert uns das Leben selbst – die Musik und die Menschen. Diese Leidenschaft hat die Visionen für unserer „Zähne-Kneipe“ entstehen lassen. Gezielte Vorbilder vom Ambiente her, kann ich keine nennen, allerdings mag der eine oder andere vielleicht meine gestalterische Handschrift vom Panic Room (R.I.P.) wiedererkannt haben.

Es muss eine Heidenarbeit gewesen sein, den Keller so herzurichten. Erzähl mir von der Renovierungszeit – stimmt es, dass du damals in der Bar gewohnt hast?
Jau, das war ein Jahr am Limit! Damals hatte ich noch den Panic Room und zeitgleich habe ich in jeder freien Minute tonnenweise Gips in der heutigen Freak Show verarbeitet. Zwischen Staub und Werkzeugen habe ich meine Matratze auf einem Astra-Kisten-Lattenrost von einer Ecke in die andere geschoben. Benny lebte und arbeitete zu der Zeit noch in Schweden und kam jedes zweite Wochenende angereist. Die wenige Zeit, die uns blieb, verbrachten wir ganz romantisch mit Pinsel, Akkuschrauber und Staubmasken.

Von Stockholm nach Steele

Barbesitzer genießen oft ein ähnliches Rockstar-Image wie Musiker. Welche Seite der Medaille wird unterschätzt?
Im Gegensatz zu mir ist Benny ja tatsächlich beides: Musiker und Barbesitzer! Sicher gleicht der Bereich hinter der Theke auf seine Art auch einer Bühne, aber wir performen ja nicht wirklich, sondern sind wir selbst und versuchen zu verhindern, dass jemand auf dem Trockenen sitzt. Auf jeden Fall ist es ein schönes Gefühl, wenn wir merken, dass die Leute uns mögen und dankbar für unsere Arbeit sind. Denn das ist es, was dahintersteckt – harte Arbeit. Ohne Herzblut wär das nicht möglich. Klar, ist man irgendwie bekannt, weil einen viele kennen – aber ich weiß nicht, ob ich so weit gehen würde, von einem „Rockstar-Image“ zu reden.

Du hast Benny kennengelernt, als er mit seiner Band durch Deutschland tourte. Wie kam es dazu, dass er Stockholm hinter sich ließ und zu einem verheirateten Barbesitzer im Ruhrpott wurde?
Damals gab es noch den kleinen Panic Room auf der Westfalenstraße. Dort hatte ich u.a. die ausrangierten Barbie-Puppen meiner Tochter für den Ausbau verwendet, sowas hatte es bis dahin nicht in Essen gegeben. Die Verwandlung der einstigen „Oppa-Kneipe“ dauerte von 2005 bis 2007 und als sie abgeschlossen war, passierte dort so einiges! Wir schoben zum Beispiel regelmäßig einen der Tische beiseite und ließen Bands spielen. Ich frage mich bis heute, wie die Nachbarn das ausgehalten haben. Kurz bevor der Panic Room im April 2009 dann zum Viehofer Platz umgesiedelt ist, bekamen wir eine Bewerbung von Bennys Band Sonic Farm. Gut, dass die Mail nicht untergegangen ist, denn so kamen die Schweden nach Steele. Als ich Benny dann zum ersten Mal sah, hat er mir mein Herz geklaut und er wird es für immer behalten – kitschig, aber wahr! Wir waren beide sehr schüchtern und da es die damalige Situation nicht anders zuließ, begannen wir uns erst einige Monate später zu treffen. Wir führten zwei Jahre lang eine Fernbeziehung und 2011 hat Benny dann kurz vor unserer Hochzeit seine Heimatstadt Stockholm für mich verlassen. Den Rest kennt ihr ja – vor fünf Jahren, am 13.1.2012, haben wir dann die Eröffnungsparty der Freak Show gefeiert.

Gewinne! Gewinne! Gewinne!

Gage und Bekanntheit einmal außen vor – welche Bands würdet ihr gerne mal in Freak Show begrüßen?
Beinahe hätte sich ein Traum für uns erfüllt, denn es war geplant, dass Headcat uns beehren, doch dann ist Lemmy leider verstorben. Das hat uns sehr erschüttert. Ansonsten würde sich Benny als großer The Damned-Fan über einen Besuch von Captain Sensible sehr freuen. Und nachdem er bereits mit zwei seiner alten Bands aus Schweden (Part-Time Posers + Suicide Pact) die Freak Show gerockt hat, träumt er davon, Chinese Takeaway noch mal aufleben zu lassen und auf unsere Bühne bekommen. Die Band, bei der Benny Sänger war, hat auf ihren Deutschlandtouren in den Neunzigern auch in Velbert und Essen gespielt, da sind wir uns aber noch nicht über den Weg gelaufen. Wir können uns jedoch sehr glücklich schätzen, denn wir haben schon viele legendäre Bands bei uns begrüßen dürfen – auch die Bands zur anstehenden Jubiläumspartys werden dafür sorgen, das Ganze unvergesslich zu machen.

Bei jeder dieser vier Jubiläumspartys werdet ihr eine E-Gitarre verlosen. Wie kann man gewinnen?
An der Kasse bekommt jeder Gast einen Stempel und eine Nummer auf die Hand. Für jedes Getränk, das er bestellt, werfen wir seine Nummer in die Los-Box. Dementsprechend haben die mit dem größten Durst auch die besten Chancen bei der Verlosung.

Mit welchem Drink werdet ihr auf euren Geburtstag anstoßen?
Benny werdet ihr wohl mit einer Tasse Ingwer-Tee antreffen. Michel und ich werden zur Feierlichkeit vielleicht ein-zwei Bierchen trinken. Und ich mische ein paar Extra-Flaschen Mexikaner – es heißt, er sei „The Best in Town“.

Benny, Ela und Michel in Action // Foto: Kathryn Baingo

Benny, Ela und Michel in Action // Foto: Kathryn Baingo

 

Programm: 5 Jahre Freak Show:

Freitag, 13.1.2017
THE OUTCASTS, Punk aus Belfast,
(The Outcasts feiern ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum auf dem 5. Geburtstag der Freak Show)
anschließend WEB OF SOUND
mit DJ Uli Watusi & Basti Fantasti (60`s/Garage/Punk)
Einlass 20 Uhr, AK 10 €
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Samstag, 14.1.
SHE`S GOT BALLS (Ladies Tribute to AC/DC)
Anschließend “80`s Metal Meltdown”
mit DJane Betty Lawless & DJ Nils Torpex
Einlass 20 Uhr, AK 10 €
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Freitag, 20.1.
THE MORLOCKS, Garage/Punk,
Anschließend DJ Andy Realkid & Lady Mambo,
Einlass 20 Uhr, AK 10 €
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Samstag, 21.1.
SEX PISTOLS EXPERIENCE (UK), The worlds No. 1 Sex Pistols Tribute Band,
Anschließend DJ ANDY BRINGS,
Hairy Glampunk Metal DiscoAnarchy…
Einlass 20 Uhr, AK 10 €

Mehr Infos findet ihr hier:
freakshow-bar.de
facebook.com/Freakshowbar

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