Trump im Amt: American Horrorstory

Street-Art-Künstler Shepard Fairey hat sich bewusst gegen ein Plakat wie dieses entschieden // Foto: Pixabay - Unknown Designer

In wenigen Stunden wird kuriose Geschichte geschrieben: Ein menschenverachtender Choleriker mit gelben Haaren und orangenem Teint wird als erster US-Präsident ins Weiße Haus einziehen, der über keinerlei politische Erfahrung, dafür jedoch über zahlreiche Casinos und einen verdammt schlechten Ruf verfügt.

Foto: Shepard Fairey

Dieses in Eigenregie entworfene Plakat ging 2008 um die Welt // Foto: Shepard Fairey

Neun Jahre ist es her, dass Street-Art-Künstler Shepard Fairey während des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2008 das ikonische „HOPE“-Plakat für Barack Obama entworfen hat, das daraufhin um die ganze Welt ging. Heute ist der Tag gekommen, an dem der damalige Hoffnungsträger und erste schwarze US-Präsident der Geschichte sein Amt abgeben muss. Und zwar an Donald Trump – einen rassistischen Milliardär, der nicht umsonst vom Ku-Klux-Klan gefeiert wird und fremden Frauen nach eigener Aussage gerne an die „Pussy“ fasst. Was wie eine Szene aus einer abgedrehten Zukunftskomödie à la „Idiocracy“ klingt, ist besorgniserregende Realität. Denn heute wird Geschichte geschrieben – und zwar eine, deren Zeitzeugin ich nie werden wollte. Prangte auf dem Obama-Plakat von damals noch das Wort „Hoffnung“, so müsste diesmal konsequenter Weise „Angst“ draufstehen.

Düstere Aussichten

Denn wir werden in den kommenden Stunden dabei zusehen, wie ein unter Twitter-Tourette leidender Narzisst – der nach neusten Erkenntnissen nicht einmal weiß, wie viele Mitglieder die Nato hat – zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wird. Auf dem aktuellen Titel des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo ist ein zögernder Blondschopf zu sehen – unentschlossen, ob er den Knopf für einen Espresso oder den für einen Nuklearangriff drücken soll. Natürlich macht es mir Angst, dass ein geisteskranker Sexist in den kommenden vier Jahren der mächtigste Mann der Welt sein soll. Wie viele Mauern wird er bauen, wie viele Minderheiten beleidigen, wie viele Frauen begrabschen und wie viele fatale Knöpfe wird er drücken? Doch obwohl ich nicht alleine mit meinem mulmigen Gefühl dastehe, hat Shepard Fairey das einzig Richtige getan und sich gegen ein Plakat der Angst entschieden. Für den heutigen „Inauguration Day“, wie der Tag der Amtseinführung genannt wird, hat er sich mit 17 weiteren Künstlern zusammengetan und gleich eine ganze Serie von Plakaten entworfen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die neuen Plakate zeigen alle Bevölkerungsgruppen, die Trump in den letzten Monaten diskriminiert hat, // Foto: Shepard Fairey

Die neuen Plakate werden Trump zur Weißglut treiben // Foto: Shepard Fairey

Doch auf denen ist weder Trump noch das Wort „Angst“ zu sehen. Stattdessen zeigen sie die Menschen, die Trump in den vergangenen Monaten diskriminiert und angegriffen hat: Darunter Frauen, Muslima und Schwarze. In Anlehnung an den ersten Satz der US-Verfassung trägt die Plakatserie den Namen „WE THE PEOPLE“ und setzt ein Zeichen für ein weltoffenes Amerika. So zeigt eins der Motive zum Beispiel eine junge Frau, die die US-Flagge als Kopftuch trägt. Darunter steht der Satz: „We the people are greater than fear.“ Um diese Botschaft in die Welt hinauszutragen, stellt Shepard Fairley die Plakate als Gratis-Download bereit und bittet die Leute in Washington und auf der ganzen Welt, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern näher zusammenzurücken – um als liberale und kosmopolitische Einheit den vorherrschenden Hass und vor allem auch die Angst zu besiegen. Lasst uns diesem Beispiel folgen und gemeinsam dafür sorgen, dass wir unseren Kindern später erzählen können, wie wir das düstere Kapitel um 2017 herum überwunden und wieder Mut gefasst haben.

Mehr Infos zu Shepard Fairey findet ihr hier:
facebook.com/ShepardFairey
instagram.com/obeygiant

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