Zandvoort: Geburtstagswochenende

Zum ersten Mal in 32 Jahren hatte ich keine Lust, meinen Geburtstag zu feiern. Schon in der Woche zuvor erreichten mich Nachrichten irritierter Freunde, die sich fragten, ob meine Einladung vielleicht untergegangen sei. Doch es hatte schlichtweg keine gegeben. Ich wollte nicht feiern, nicht prosten, nicht tanzen – diesmal nicht. Ich war müde.

Hund im Bett

Im Urlaub darf das Kuscheltier ins Bett.

Stattdessen nahm ich mir zwei Tage frei, um an einem langen Wochenende ohne Erwartungen und Verpflichtungen den Kopf frei zu kriegen. Der Piccolo, der im Handschuhfach für mich bereitlag, als mein Komplize mich nach einem langen Tag im Büro abholte, kribbelte kurz darauf in meiner Brust und mit jedem Kilometer, den wir hinter uns ließen, fiel ein Stück der vergangenen Burnoutwoche von mir ab. Als wir Zandvoort am späten Abend erreichten, machten wir einen Spaziergang durch die menschenleere Innenstadt und aßen Falafel bei einem netten Araber, dessen einzige Gäste wir waren. Satt und müde machten wir uns schließlich auf den Weg zum Hotel. Die verlassenen Gassen, durch die wir schlurften, waren in ein gelbes Laternenlicht getaucht. Und gerade, als mich die Kälte unter der Jeans zu zwicken begann, rieselten die ersten Schneeflocken auf die surreale Kulisse herab.

Weißer Sandstrand

Zandvoort Winter Wonderland.

Zandvoort Winter Wonderland.

Auf unserem Zimmer angekommen, krochen wir ohne Umwege ins Bett und nahmen den Hund in unsere Mitte. Mit einem langgezogenen Brummen streckte er alle Viere von sich und schlummerte im selben Moment weg. Noch bevor ich „niedlich“ sagen konnte, war auch ich im Nimmerland. Am nächsten Morgen schlappten wir auf dem letzten Drücker zum Frühstücksbüffet und machten uns anschließend auf den Weg zum Strand. Es schneite noch immer und somit wurde der Spaziergang zu einem der immer seltener werdenden ersten Male meines Lebens, denn ich hatte noch nie einen Strandtag im Schnee verbracht. Eiskalter Wind blies uns um die Ohren und der Sand unter unseren Füßen war unter einer Schneedecke versteckt – bloß da, wo die Wellen an Land schwappten war er zu erahnen. Der Hund hüpfte in seinem wahrgewordenen Traum aus Sand und Schnee zwischen den dicken Flocken umher und war kaum zu erkennen, wenn er sich weiter als zehn Meter von uns entfernte. Schweigend stapften wir Menschen nebeneinander her und hatten uns lieb dafür, dass wir nicht reden mussten.

Unaufgeregt perfekt

Valentinsbirthday wie aus dem Bilderbuch.

Valentinsbirthday wie aus dem Bilderbuch.

Als wir am Nachmittag wieder zurück ins Bett krochen, brannte unsere rote Haut beim Annehmen der Zimmertemperatur und zum ersten Mal seit Wochen herrschte in meinem Kopf eine angenehm gähnende Leere. Erschöpft schliefen wir ein noch bevor es dunkel wurde. Kopf an Kopf an Schnauze. Erst am Abend schaffte es die Spezialität des Hotel-Restaurants, uns aus dem Zimmer zu locken: So ließen wir den Tag in gemütlicher Vintage-Atmosphäre ausklingen, während auf dem Tischgrill vor uns Garnelen und andere Leckerhappen vor sich hinbruzzelten und draußen weiter das Schneestürmchen tobte. Zurück in Essen war ich bereit für „Happy Birthday“. Meine Mama war mein einziger Gast. Es gab ein leckeres Frühstück, einen Kaffee in der Sonne, einen Spaziergang an der Ruhr und eine RomCom am Abend. Lieblingsmenschen riefen an, Geschenke erreichten mich per Post und der leckerste Kuchen überhaupt stand auf dem Tisch. So war das, als ich letzte Woche heimlich ein Jahr älter wurde. Ich kann mich glücklich schätzen.

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