Warum ich bis März für lau arbeite

Gleiches Geld für gleiche Arbeit - jetzt!

Wenn ich meine Überstunden mitrechne, habe in diesem Jahr bereits an die 500 Stunden gearbeitet – und das streng genommen ohne Bezahlung! Wie man so doof sein kann? Das erkläre ich euch gerne.

Der 18. März 2017 ist Deutschlands zehnter offizieller Equal-Pay-Day. Frauen verdienen hierzulande noch immer 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Mit anderen Worten: Für jeden Euro, den ein Mann da draußen verdient, erhält eine Frau nur 79 Cent. Symbolisch gesehen, arbeiten wir Mädels hierzulande also bis zum 18. März eines jeden Jahres umsonst! Je höher unsere Qualifikation, desto höher fällt auch das sogennante „Gender-Pay-Gap“ aus. Da kommt es den Herren (und vereinzelten Damen) auf der anderen Seite des Verhandlungstisches natürlich ganz gelegen, dass in Deutschland nicht gerne über Geld gesprochen wird. Denn so bleiben die tatsächlichen Gehaltsunterschiede zwischen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bloß wage Vermutungen. Selbst unter Berücksichtigung von Faktoren wie Branche, Hierarchie oder Teilzeitbeschäftigung, die einen Einfluss auf die Lohnhöhe haben, bleibt unterm Strich noch immer eine durchschnittliche Lohnlücke von 7 Prozent, für die es keine Erklärung gibt: Demnach bekommen ein Mann und eine Frau, die ihren Abschluss an derselben Uni gemacht haben, unterschiedliche Gehälter für den gleichen Job – in derselben Firma.

Gender-Pay-Gap

Auch die Tatsache, dass das Lohnniveau nachweislich sinkt, sobald Frauen eine männerdominierte Branche erobern, spricht für sich. Im europäischen Vergleich steht Deutschland richtig schlecht da: Nur in Estland und Tschechien fällt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern noch größer aus als hierzulande. Aber woran liegt das, verhandeln wir wirklich so schlecht? Studien haben ergeben, dass Frauen, die selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen auftreten, als unsympathisch und arrogant wahrgenommen werden. Dementsprechend sinkt seitens der Arbeitgeber auch die Bereitschaft, ihren Forderungen nachzukommen. Männer mit hohen Gehaltsvorstellungen wirken auf Vorgesetzte hingegen zielstrebig und qualifiziert. Natürlich dürfen Gehaltsunterschiede dieser Art, dank Gleichstellungsgesetz, nicht mit dem Geschlecht gerechtfertigt werden. Doch dahingehend sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Die Begründungen reichen von „zu wenig Erfahrung im Bereich XY“ bis „mehr ist leider nicht drin“. Die offizielle Bezeichnung dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit lautet: „Unbewusste Diskriminierung“. Welch schöner Begriff für den Betrug um einen sechsstelligen Rentenbetrag am Ende der Erwerbstätigkeit.

Verstaubte Rollenbilder

Und was ist die Folge dieser ungerechtfertigten Lohnunterschiede? Nach der Geburt eines Kindes, bleibt in der Regel die Frau zuhause. 30 Prozent aller Mütter steigen ganz aus dem Berufsleben aus, weitere 40 Prozent stellen nach der Familiengründung auf Teilzeit um. An diesem Punkt beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn unabhängig davon, wer in einer Partnerschaft lieber zuhause bleiben würde, fällt die Wahl aufgrund des niedrigeren Gehaltsausfalls in den meisten Fällen auf die Frau. Und genau diese Ausfallquote hat zur Folge, dass viele Arbeitgeber von vornherein nicht bereit sind, in ihre Mitarbeiterinnen zu investieren und diese mit geringeren Gehältern abspeisen. Denn die sind ja sowieso bald wieder weg, um sich dem Rollenbild zu fügen. Von letzterem kann man halten was man will. Wer seine Erfüllung in der Betreuung seiner Kinder sieht, der soll seinen Job an den Nagel hängen können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Doch die Entscheidung sollte von Herzen kommen und nicht das Ergebnis einer familieninternen Gewinn- und Verlustrechnung sein. Frauen leisten nicht weniger als Männer, Frauen werden grundlos beschissen bezahlt. Und das muss sich ändern.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*