Liza Sew: Mode gegen Mainstream

Liza Sew macht Punkrock-Unikate mit Liebe zum Detail

„Einzigartige Mode für einzigartige Menschen“ – diesem Motto hat sich Designerin Liza Sew aus Niederbayern verschrieben. In der Punkrockszene hat sich die 26-Jährige längst einen Namen gemacht und nicht selten sind ihre neuen Teile binnen weniger Minuten ausverkauft, sobald sie im Online-Shop erhältlich sind. Ich habe mich mit der sympathischen Selfmadefrau unterhalten und sie gefragt, wie sie es schafft, ausschließlich Lieblingsteile zu produzieren.

Dein Motto lautet „Unique Clothing for Unique People“ – was zeichnet deine Produkte aus?
Meine Produkte werden alle per Hand in Niederbayern gefertigt. Und bis auf die Merchandise-Artikel sowie ein paar wenige gekennzeichnete Teile handelt es sich bei allen um absolute Unikate. Das heißt, jedes Design gibt’s wirklich nur einmal und wird in der Form auch nicht nachproduziert. Mit meinen Klamotten will ich keinen Modetrends folgen, sondern zeitlose, langlebige Lieblingsteile schaffen, in denen viel Herzblut steckt. Lieblingsteile für alternative Leute, die sich individuell und bewusst kleiden wollen. Außerdem achte ich auf hohe Qualität und verarbeite keine Materialien mit tierischem Ursprung.

Welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit für dich?
Der Punkt mit den Lieblingsteilen trifft es schon ganz gut: Ich würde sogar behaupten, dass die Leute bei mir bewusster einkaufen. Es lässt sich zwar nicht vermeiden, auch Stoffe und Einzelteile zu verarbeiten, die ihren Ursprung in anderen Ländern haben – doch im Vergleich zu den großen Modeketten, die ihre Kleidungsstücke einmal um die ganze Welt fliegen, schaffe ich es, einen Großteil dieser unnötigen Wege einzusparen. Auch bei meinen Merchandise-Artikeln gebe ich immer mehr Acht darauf, woher ich sie beziehe. Meine Tube Socks werden zum Beispiel in Deutschland produziert, obwohl einige Anbieter aus Billiglohnländern für mich im Einkauf günstiger wären. Außerdem bin ich ein Fan davon, Sachen zu reparieren, anstatt sie gleich auszusortieren.

Wie bist du zum Nähen gekommen, hast du den Beruf der Schneiderin gelernt?
Ich habe meine Ausbildung zur Grafik- & Modedesignerin an der deutschen Meisterschule für Mode in München gemacht. Aber das Ganze begann bereits viel früher: Ich habe mir schon super jung meine Klamotten selbst zusammengeschustert. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass ich nicht mit dem Mainstream – in Klamotten von der Stange – rumlaufen wollte. Damals habe ich das meiste sporadisch mit der Hand zusammengenäht. Über die Jahre hinweg habe ich dieses Hobby dann ausgebaut. Die Nähmaschine kam zum Einsatz, die ersten Schnitte wurden gezeichnet… Ich bin dran geblieben und so hat es schließlich geklappt.

Fashion is a Punkrocker

Produkte wie deine sind mir bisher bloß in England oder in den USA untergekommen, was sie hierzulande ziemlich einzigartig macht. Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich stehe auf Streifen, viele Reißverschlüsse, Metall-Klimbims wie Ringe und Karabinerhaken und halte immer Ausschau nach coolen Stoffen. Alles andere ergibt sich fast von alleine. Das letztendliche Design einer Weste, eines Hipbags oder auch von kleineren Sachen, wie Mäppchen und Portemonnaies, entsteht manchmal erst während des Nähens. Irgendetwas Neues fällt mir immer ein. Gut finde ich außderdem Duane Peters und Corey Parks – ich liebe die Draven Schuhe und auch der Style von Bands wie The Clash oder The Distillers hat mich geprägt.

Apropos, du bedienst ja hauptsächlich die Punkrockszene, auf welche Bands stehst du momentan besonders?
Das stimmt – es geht ja irgendwie auch um Attitude und die Klamotten vermitteln für mich ein Lebensgefühl. Ich stehe zum Beispiel auf Die Hunns, The Interrupters, The Baboon Show, 7 Seconds, Adolescents und ’77 Punk.

Gibt es ein Teil, auf das du besonders stolz bist?
Ich glaube, da kann ich mich nicht auf ein Bestimmtes festlegen. Ich bin oft von ein paar Teilen aus einer Reihe sehr begeistert, weil ich sie gut genäht habe oder sie den Kunden super stehen. Und es gibt auch immer wieder Teile, die ich vermisse, wenn ich sie verkauft habe. Doch „das eine“ gibt es dahingehend nicht. Obwohl, meine Gitarrengurte sind etwas, das ich hier noch erwähnen könnte – ich war nämlich selbst ewig auf der Suche nach einem schönen Gurt, der nicht aus Leder ist, zu meinem Instrument passt und zudem bequem und langlebig ist: Vergebens! Daraufhin hab ich begonnen, mit diesem Anspruch selbst welche zu nähen und in mein Sortiment aufzunehmen.

Mode mit Haltung

Was trägst du, wenn du mal nichts aus deiner eigenen Kollektion anhast? Hast du Lieblingsmarken oder favorisierte D.I.Y.-Shops?
Wenn ich mal nichts Selbstgemachtes trage, bin ich bei meiner Kleiderwahl ehrlich gesagt nicht so wahnsinnig einfallsreich. Meistens halte ich es simpel, mit Bandshirts und Basics. Ich habe zum Beispiel etliche schwarze Tops, Strumpfhosen und Kapuzenjacken im meinem Schrank. Lieblingsmarken habe ich gar nicht. Hin und wieder kaufe ich ganz gern bei Kleiderkreisel ein, das war’s aber auch schon. Kannst du einen guten D.I.Y.-Shop empfehlen?

Keinen wie deinen, aber ich habe mir zum Beispiel gerade „GRL-PWR“-Socken bei likalla bestellt. Wo wir gerade bei Statements sind: Auf deiner Website sprichst du dich klar gegen „Faschisten, Rassisten, Sexisten und homophone Idioten“ aus. Warum ist es dir selbst bei deiner Zielgruppe wichtig, dich zu positionieren?
Ich denke, dass das immer wichtig ist. Für mich scheint das oft alles viel zu selbstverständlich, da ich ohne die altmodischen Klischees und recht weltoffen aufgewachsen bin. Aber da ich weiß, was es für Leute gibt, war es mir einfach ein Anliegen, ein unmissverständliches Statement auf meine Homepage zu setzen. Ich mag mit meinen Sachen gern auch eine breitere Masse ansprechen – diese Personengruppen jedoch definitiv nicht.

Was wünschst du dir für die Zukunft deines Shops? Hast du Pläne?
Richtig stark wäre es, irgendwann eine große Werkstatt zu haben, mit ein paar Mitarbeitern und außerdem weiterhin so einzigartige Kunden. Ich bekomme oft so liebes Feedback und Nachrichten, in denen sie mir schreiben, wie super happy sie mit ihren neuen Teilen sind. Das ist für mich die größte Motivation, dran zu bleiben. Außerdem ist es immer mega schön, Leute in den verschiedensten Städten mit Liza Sew-Klamotten zu sehen. Wenn genau das noch ein bisschen mehr wird – Bombe!

Mehr Infos:
liza-sew.de
facebook.com/LizaSew

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*