LAUT: Dein Selfie gegen Nazis

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss jeden Tag neu gestaltet werden. Jörg Siegwarth bietet rechtspopulistischen Parteien und Nationalisten im wahrsten Sinne des Wortes die Stirn! Denn mit LAUT hat der Fotograf aus Flensburg ein künstlerisches Projekt ins Leben gerufen, mit dem er ein Zeichen für die Freiheit und Vielfältigkeit unseres Landes setzt. Ich habe ihm mein „Selfie gegen Rechts“ bereits geschickt und mich somit einverstanden erklärt, dass er es auf seiner Website zeigen und für eine Ausstellung verwenden darf. Macht mit, und lasst uns vollkommen gewaltfrei etwas Gewaltiges schaffen.

Welche Idee steckt hinter „LAUT“ und was willst du mit der Aktion erreichen?
LAUT ist eine Aktion gegen Rechtspopulismus, Hass und Nationalismus. Ich glaube, dass der Teil in der Bevölkerung, der sich diesem Gedankengut hingibt, sehr klein ist. Dennoch ist er in den letzten Monaten immer lauter geworden. Ich möchte mit LAUT zeigen, daß der überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland weltoffen und tolerant ist. Leider ist dieser Teil bisher sehr leise.

Ich habe bereits ein Selfie eingereicht – was passiert nun damit?
Mit dem Einreichen deines Selfies nimmst du an der Aktion teil und zeigst Gesicht. Zudem hast du eingewilligt, dass ich es auf der LAUT-Webseite hochladen und gegebenenfalls für eine Ausstellung zu diesem Thema verwenden darf. Die Bildrechte bleiben jedoch bei dir, denn du hast das Foto ja selbst gemacht. Das ist wichtig zu wissen, denn wenn du nicht mehr möchtest, dass es öffentlich zu finden ist, muss ich es entfernen.

Nationalistische Einsamkeit

Wie erklärst du dir den Zulauf, den rechte Organisationen und Parteien seit einigen Jahren erfahren?
Das ist ziemlich vielschichtig und lässt sich nicht einfach beantworten. Ich denke, dass viele Menschen, die in Not geraten, Forderungen an die Politik stellen, die diese nicht erfüllen kann. Denn wenn beispielsweise jemand seinen Job verliert und finanzielle Probleme bekommt, ist die Politik schlichtweg der falsche Ansprechpartner. Das führt zu Verdruss und Wut und leider haben sich viele von uns zu Menschen entwickelt, die lieber anderen die Schuld in die Schuhe schieben als ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Wenn dann jemand kommt, der ihnen recht gibt und verspricht, etwas zu ändern, stößt er auf offene Ohren. Dabei übersehen viele, dass diese Person nicht an ihnen und ihren Problemen interessiert ist, sondern nur an Machtzuwachs. Hinzu kommt, dass es zur Zeit einen weltweiten Zuwachs an Populismus und Nationalismus gibt. Frankreich, Niederlande, Türkei, USA – warum sollten wir davon verschont werden? Allerdings sieht man mittlerweile auch, dass alle krachend scheitern: Trump in den USA, Wilders in den Niederlanden und auch Erdogan kämpft gerade um seine Macht.

Wie lautet deine Definition von „Nationalismus“?
Nationalisten sind sehr einsame Menschen. Sie sperren sich geistig ein. Aber es sind auch ängstliche Menschen. Sie wollen Protektionismus und wenig Veränderung. Das alles weckt Erinnerungen an die Geschichte. Denn Nationalismus ist ein historischer Begriff, von dem wir eigentlich längst gelernt haben sollten.

Wie ist die Stimmung in Flensburg und mit welchem Gefühl schaust du den Landtagswahlen in zwei Monaten entgegen?
Um Flensburg habe ich überhaupt keine Angst. Wir sind die Grenzstadt zu Dänemark, leben seit Ende des Zweiten Weltkrieges mit einer dänischen Minderheit zusammen und haben zudem Menschen aus aller Herren Länder bei uns. Schon zu meiner Schulzeit hatten wir an einer Schule Kinder aus 70 verschiedenen Ländern. Es funktioniert bestens.

Psychiatrie vs. Fotografie

Wie bist du zur Fotografie gekommen und was hat sich seit deinem Schritt in die Selbstständigkeit 2013 verändert?
Ich habe 2008 einen Ausgleich zu meinem Job als Psychiatriepfleger gesucht. Damals suchte ich noch die Einsamkeit und bin früh morgens aufgestanden, um Landschaften bei Sonnenaufgang zu fotografieren. Irgendwann bin ich dann auf den Mensch zurückgekommen, der an sich ziemlich spannend ist. Das Leben als Fotograf ist spannend, aber auch tierisch anstrengend. Da darf man sich nichts vormachen. Es bedeutet lange, lange Arbeitstage und die ewige Suche nach Aufträgen. Fotografieren macht dabei bloß einen kleinen Teil aus. Aber mir macht all das Spaß.

Gibt es ein Shooting, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich habe letztes Jahr die Terrorgruppe live fotografiert. Nicht nur, dass das Konzert der Oberhammer war, die Jungs kannten mich nicht und haben trotzdem gesagt: „Lass ihn mal machen“. Am Ende mochten sie meine Fotos. Seitdem halten wir losen Kontakt. Das war und ist toll.

Welchen Beitrag können wir alle im Alltag leisten, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen?
Die Welt kann man nicht zu einem besseren Ort machen. Sie ist wie sie ist. Ich glaube, es ist wichtig, vor der eigenen Tür zu kehren und seinen Stall sauber zu halten. Wenn wir alle wieder anfangen, nicht das Leben anderer zu hinterfragen, sondern unser eigenes Handeln zu reflektieren – dann kommen wir wieder voran.

Mehr Infos:
laut-bewegung.org
facebook.com/joergsiegwarthfotografie

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