Dude Tattoos: Ganz arg cute und so

Es sind genug Dudes für alle da!

Einige von euch haben Tobi Bueller bestimmt längst auf dem Schirm. Der Wahlberliner postet regelmäßig neue Tattoo-Flashs, auf denen er zuckersüße „Wanna-Dudes“ in kindlichem Zeichenstil präsentiert: von Alf über Pizza bis Calimero ist alles dabei. Bei meinem letzten Berlin-Trip habe ich ihm einen Besuch abgestattet.

Tobis Studio befindet sich in Hohenschönhausen. An den Wänden hängen gerahmte Poster von „Jurassic Park“ und „Kevin allein zu Haus“. Die Chemie zwischen uns stimmt sofort – vielleicht weil wir beide 1985er-Jahrgang sind. Gemeinsame Kindheitserinnerungen schweißen zusammen. Den üblichen Tattootermin-Smalltalk gibt es bei Tobi nicht. „Was war der erste Film, den du im Kino gesehen hast?, platzt er heraus, als ich es mir auf der Liege bequem mache. Puh, darüber muss ich erst mal nachdenken. Noch ehe ich mich erinnern kann, ob ich zuerst „Aladdin“ oder „Als die Tiere den Wald verließen“ gesehen habe, spüre ich die surrende Nadel an meinem Bein – mehrere tausend Mal pro Minute. Doch an Schmerz ist nicht zu denken: „Was war dein erstes Konzert?“ Ich muss lachen: „Caught in the Act!“ Tobi ist begeistert. Zum Tätowieren kam der gebürtige Baden-Württemberger vor einer Weile in Magdeburg: „Ich habe damals dort gewohnt und irgendwann Freulein Fux und ihren tollen Lebenspartner kennengelernt“, erinnert er sich. So kam eins zum anderen. Er ließ sich von den beiden tätowieren und erhielt im Eisenherz-Studio erste Einblicke hinter die Kulissen des Handwerks.

Dude in Love

Eines Tages betrat eine Kundin den Laden und stellte sein komplettes Leben auf den Kopf. „Coole Schuhe“, waren Tobis erste Worte zu ihr. Heute sind die beiden verheiratet. „Meine Maus ist Magdeburgerin, hat aber damals schon in Berlin gewohnt. An dem Tag als sie mit den schönen Schuhen in den Laden hereinspazierte, war sie gerade auf Heimatbesuch“, erzählt Tobi mit strahlenden Augen. „Von da an konnte und wollte ich nicht mehr ohne sie sein, also bin ich nach anfänglichen Pendelversuchen mit ihr nach Berlin gegangen.“ In der Hauptstadt lernte Tobi dann selbst, Farbe unter die Haut zu bringen. Dank der kleinen Wanna-Dudes, die an Niedlichkeit kaum zu übertreffen sind, hat er mittlerweile viele Fans. Sie alle wollen eins haben – ein Tattoo, dem es an Ernsthaftigkeit fehlt. „Das Leben ist ernst genug“, erklärt Tobi seinen eigenwilligen Stil. „Ständig müssen wir uns erwachsen verhalten und haben dabei nicht immer viel zu lachen – ich freue mich, wenn ich dem etwas entgegensetzen kann.“ Seine simplen Motive kommen von Herzen. Umso erfrischender, dass er nicht mehr hineininterpretiert als nötig: „Um ehrlich zu sein, könnte ich gar nichts anderes tätowieren, ich zeichne nun mal wie ein Zehnjähriger.“ Im Gegensatz zu der gängigen Praxis, jedes Motiv nur einmal zu tätowieren, funktioniert das Wanna-Dude-Portfolio wie ein Katalog. Was gefällt, wird tätowiert – einmal, dreimal, zehnmal. Seine Kunden wissen das.

Poesiealbum-Talk

Das Bierchen-Bärchen auf meinem Schienbein nimmt langsam Form an. Es ist herzallerliebst – wie alles, was ich bisher von Tobi gesehen habe. „Welches Konzert hast du zuletzt besucht?“, unterbricht er meine Verzückung. Ich zerbreche mir den Kopf, doch es will mir nicht einfallen. UK Subs? Ein Besuch beim Dude-Meister gleicht dem Ausfüllen eines Poesiealbums. Wir schwelgen in Erinnerungen an Kindheitshelden, ich muss Entscheidungen treffen und Lieblinge benennen. Der Termin gleicht einer Zeitreise, bei der ich auf wundersame Weise das Aua am Bein vergesse. Wir kommen von Höckschen auf Stöckschen. Oder besser gesagt, von den Goonies zu Eminem und nach einem Abstecher zu Freddie Prinze junior zu den Teenage Mutant Ninja Turtles. Auch auf die neue „Es“-Verfilmung freut sich Tobi „ganz arg“. Wer einem seiner Kanäle folgt, weiß, dass der Ausdruck „ganz arg“ eine besondere Rolle in seinem Wortschatz spielt. Warum das so ist, weiß er selbst nicht: „Irgendwann hat mich jemand darauf hingewiesen, bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass ich das dauernd sage. Anscheinend gehören die beiden kleinen Wörter einfach zu mir.“ Dann ist das Bärchen fertig. Es ist süß und sinnfrei. Ich liebe es. Auf dem Heimweg tippe ich eine Liste alter Filme in mein Handy, die ich unbedingt mal wieder gucken muss. Platz 1: „Ein Goldfisch fällt ins Wasser“!

Mehr Infos findet ihr hier:
instagram.com/tobiderdude1985
facebook.com/dudetattoos

 

 

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