Kinderquatsch im Wrestling-Camp

Foto: Björn Jansen

Seit rund 15 Jahren veranstaltet Carlos Martinez den „Rock ’n’ Roll Wrestling Bash“ – ein schweißtreibendes Event mit internationalen Wrestling-Stars im Ring und großen Namen der Metalszene auf der Bühne. In den Sommerferien sollen nun auch Kinder aus sozial schwachen Familien von der populären Schaukampf-Sportart profitieren. Für schlappe 45 Euro ermöglicht Carlos den Kids ein zweiwöchiges Sommercamp, in dem sie die Grundlagen des Wrestlings lernen, ihr eigenes Kostüm designen und nebenbei auch noch etwas über gesunde Ernährung erfahren. Weshalb Carlos das Projekt besonders am Herzen liegt und warum er unsere Unterstützung braucht, erfahrt ihr im Interview.

Den ersten „Rock ’n’ Roll Wrestling Bash“ hast du 2003 in Köln veranstaltet. Welche Idee steckte damals dahinter?
Es war eine Promotion-Aktion anlässlich des ersten Signings auf meinem Label Bloody Baron Records. Ich hatte nur wenig Erspartes, also habe ich nach einem Weg gesucht, direkt etwas Geld einzunehmen, um weitermachen zu können. So entstand über Umwege der erste „Rock ’n’ Roll Wrestling Bash“ – die Urform von dem, was wir jetzt machen.

Mittlerweile sind fast 15 Jahre vergangen und der „Rock ’n’ Roll Wrestling Bash“ ist zu einer echten Institution geworden – wie hast du das geschafft?
Ich habe nie aufgehört, Shows zu produzieren, neue Ideen umzusetzen und auf Tour zu gehen – und das obwohl viele nicht an das Konzept geglaubt haben. Ich habe mich und die Show immer ernst genommen und nie aufgegeben zu zeigen, was gutes Entertainment in meinen Augen bedeutet. Kontinuität zahlt sich am Ende eben aus. Und hier sind wir nun, 15 Jahre später: mit zwei Show-Casts für die U.S.A. und Europa. Zig tausende Besucher haben unsere Shows in den vergangenen Jahren besucht, die größten Namen des Metals standen bei uns auf der Bühne und wir hatten die legendärsten Wrestler im Ring. Und das war erst der Anfang.

Teamgeist & Entertainment

Für die bevorstehenden Sommerferien hast du dir etwas ganz Besonderes ausgedacht, nämlich das „Rock ’n’ Roll Wrestling Kidz Summer Camp“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Die Idee zu dem Feriencamp hatte ich schon vor Längerem. Es ist ein Projekt für Kinder aus sozial schwachen Familien die sich keinen Urlaub leisten können, ihren Kindern aber trotzdem schöne Ferien ermöglichen wollen. Das ganztägige Camp besteht aus drei Segmenten. In einem kreativen Prozess werden die Kids mit mir zusammen Ihren eigenen Wrestling-Charakter gestalten und zum Leben erwecken. Das bedeutet, wir entwickeln die Grundidee, die Charakteristik und natürlich das Kostüm-Design. Letzteres schneidern sie dann mit Bernd von Jot Jelunge, einem großen Kölner Karnevalsladen. Der zweite Teil ist das Wrestling-Seminar. Das eigentliche Training wird von einem unseren Wrestling Bash“-Jungs durchgeführt. Rock 'n' Roll Wrestling BashAxel, der Trainer, ist einer der besten in unserer Show und hat nach seiner Wrestling-Ausbildung eine Zeit lang in Mexiko trainiert und als Wrestler gearbeitet. Er verkörpert den Lucha Libre“-Part in unserer Show und wird den Kids einen Crash-Kurs im Wrestling geben. Teamwork wird dabei groß geschrieben. Der dritte Baustein des Camps ist die Ernährungslehre. Neben dem kreativen und dem sportlichen Aspekt, wollen wir den Kindern auch die Bedeutung einer gesunden Ernährung mit auf den Weg geben. Denn die ist sehr wichtig und alles andere als uncool oder langweilig. Im Kochunterricht werden die Kids gemeinsam mit unserem Küchen-Hero Heiko täglich frische Gerichte kreieren. Heiko achtet darauf, dass die Gerichte leicht nachzukochen und gleichzeitig erschwinglich sind. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass es um Kids geht, denen zuhause aller Wahrscheinlichkeit nach nicht viel Geld für teure Zutaten zur Verfügung steht. Also bringen wir Ihnen bei, wie man schnell und gesund mit dem kocht, was man in jedem Haushalt findet. Jeden Tag werden Heiko fünf Kids in der Küche zur Hand gehen und gemeinsam für die Gruppe kochen: ein weiterer Pluspunkt in Sachen Teamwork.

Wrestling wirkt auf den ersten Blick ziemlich brutal, inwiefern können die Kids davon profitieren?
Keine Sorge, wir werden den Kids nicht beibringen, sich gegenseitig die Wirbelsäule zu brechen. In erster Linie geht es darum, ihre Begeisterung für den Sport zu wecken. Das leichte Training reicht von einer Fallschule über Griffe und Techniken bis hin zu Bumbs und Jumps. Die Kids werden definitiv viel mit nach Hause nehmen, egal wie sich anstellen. Denn schon allein im Ring zu stehen, ist eine größere Erfahrung als manch anderer in seinem ganzen Leben machen wird. Vorkenntnisse sind keine nötig. Alle Mädchen und Jungen im Alter von acht bis sechzehn Jahren sind willkommen und werden viel Spaß haben. Ich freue mich jedenfalls schon sehr.

Ferien-Highlight für den schmalen Geldbeutel

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Sommercamp für Kinder zu organisieren?
Wie gesagt, die ursprüngliche Idee war es, die Kids von der Straße zu holen: schwer Erziehbare, die meinen, die Stärksten zu sein. Im Ring kann man Ihnen beibringen, ihre Kraft richtig einzusetzen und im Team zu arbeiten. Das hat für mich Priorität. Außerdem geht es mir um den sozialen Einsatz für finanziell schwache Familien und Alleinerziehende. Denn viele von ihnen haben weder die  Zeit noch das Geld, um ihren Kindern eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Das ist sehr traurig, denn leider investiert der Staat zu wenig in die Erziehung und Beschäftigung unserer Kinder. Und da komme ich ins Spiel – denn manchmal muss ich einfach mal was Gutes tun. Vor einigen Jahren habe ich zum Beispiel mal meine gesamte Gage an einen Verein für behinderte Kinder gespendet. Aber auf welche Weise auch immer, ich finde, jeder kann sich einbringen.

Die Teilnahmekosten für das zweiwöchige Programm inklusive Verpflegung belaufen sich auf 45 Euro pro Nase – wie wird dieser Wahnsinnspreis ermöglicht?
Eigentlich handelt es sich dabei um einen symbolischen Beitrag, tatsächlich finanziere ich das Camp über Spenden – also komplett privat. Staat und Stadt wollten sich nicht beteiligen. Doch daran sollte es nicht scheitern, daher ziehen wir es einfach selbst durch. Ha! Nichtsdestotrotz brauchen wir noch ein paar Kröten mehr, um komplett auf der sicheren Seite zu sein. Also wer das hier liest und die Sache geil findet, darf uns gerne supporten. Jeder Euro hilft!

Kannst du dir vorstellen, in Zukunft noch mehr Projekte dieser Art zu starten – vielleicht auch in anderen Städten?
Auf jeden Fall und die sind auch schon in Arbeit. Das Camp wird noch Schule machen. Aber ich will nicht zu viel verraten. Es macht viel Spaß und gibt viel Kraft. Außerdem ist es eine echte Alternative für die Kids da draußen. Ich bleibe am Ball!

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Mehr Infos
facebook.com/TheRocknRollWrestlingBash
facebook.com/The-Rock-n-Roll-Wrestling-Kidz-Sommer-Camp

Helft mit!
Wer das Sommercamp unterstützen und Kindern aus sozial schwachen Familien eine unvergessliche Erfahrung ermöglichen möchte, kann das hier tun.
Jeder Euro zählt!

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