Reset: Warum ich gekündigt habe

Januar. Schon von dem Wort bekam ich in der Vergangenheit Depressionen. Alles, was von den langersehnten Weihnachtsferien übrig ist, sind drei Kilo zu viel auf der Waage und eh man sich versieht, geht der alte Trott von vorne los: Deadlines, die einen abends nicht einschlafen und morgens nicht ausschlafen lassen. Gleichförmige Wochentage, die sich im Hell-Dunkel-Rhythmus nahtlos aneinanderreihen. Das Gefühl, dass die kreative Energie, mit der man einst die Welt verändern wollte, irgendwo zwischen Konferenzraum und Großraumbüro verkümmert ist. Doch damit ist jetzt Schluss!

Als ich im vergangenen September auf der Intensivstation lag, schlugen die Überwachungsgeräte, an die ich angeschlossen war, plötzlich Alarm. Der Pfleger kam hereingestürmt und checkte meine Werte. „Ruhepuls von 150“, stellte er mit einem Blick auf den Bildschirm fest und hob seine buschigen Augenbrauen. „Haben Sie die Patientin aufgeregt?“ Meine Mutter wollte seine Frage gerade verneinen, da stutzte sie: „Wir haben über die Arbeit geredet.“ Stirnrunzelnd sah er uns an. Dann riet er meiner Mutter, das Thema zu wechseln. Und mir, nach einem neuen Job Ausschau zu halten. Am nächsten Tag unterschrieb ich meine Kündigung noch im Krankenhausbett. An jenem Nachmittag habe ich mit meiner Komfortzone Schluss gemacht.

Kreativ-Boreout

Tatsächlich habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, mein Berufsleben umzukrempeln. Doch in Anbetracht meiner blinkenden Herzstromkurve ist mir erstmals klargeworden, dass der perfekte Moment dafür nicht kommen wird. Denn es gibt Dinge im Leben, die wir selbst in die Hand nehmen müssen. Ich habe mich daran zurückerinnert, welche Erwartungen ich an das Leben hatte, als ich mit 19 Jahren die Schule abschloss. Damals habe ich noch unfassbar viel gezeichnet und mit Ölfarben gemalt. Ich habe meine Bilder auf dem alljährlichen Kunstmarkt verkauft und sogar Aufträge entgegengenommen. Ich habe Bücher verschlungen und Gedichte geschrieben. Ich war süchtig nach Biografien bedeutender Künstler und Musiker und insgeheim habe ich mir immer gewünscht, dass auch ich eines Tages meinen Beitrag leisten würde. Ich wollte Bilder malen, die alle Blicke auf sich ziehen. Bücher schreiben, die sich nicht aus der Hand legen lassen. Doch ich wollte garantiert nicht zu einem Büroroboter werden, der den Montag schon am Freitag nicht vom Mittwoch unterscheiden kann.

Herzblut-Revival

Also habe ich das einzig Richtige getan. Ich habe aufgehört, von dem Tag zu träumen, an dem ich wieder genug Zeit und Energie haben werde, um kreativ zu sein. Ich habe die Notbremse gezogen, bin ins kalte Wasser gesprungen, habe die Flucht nach vorn angetreten: Ich habe meinen sicheren Job gekündigt. Und ich habe meine Hausärztin gebeten, mich nicht weiter krankzuschreiben. Denn ich wollte nicht krank ins neue Jahr starten, sondern dieses Kapitel meines Lebens am Silvesterabend abschließen. Seit Neujahr bin ich nun offiziell frei. Freiberuflerin, um genau zu sein. Und es fühlt sich so viel besser an, als gedacht. Ich habe erste Verlagsgespräche geführt und begonnen, das Buch zu schreiben, das mir schon so lange im Kopf herumschwirrt. Ich werde ab März wahrscheinlich ein tolles Projekt betreuen, mit dem ich zurück zu meinen Punkrock-Wurzeln kehren und wieder Musikerinterviews führen darf. Ich werde wieder Zeit zum Bloggen haben. Und wenn die Chemie mal nicht stimmt, oder mir ein Thema nicht zusagt, werde ich Aufträge auch ablehnen können. Ich werde wieder mit Herzblut bei der Sache sein und meinen kreativen Beitrag leisten. Mein 19-jähriges Ich wird wieder stolz auf mich sein.

2 Kommentare zu Reset: Warum ich gekündigt habe

  1. Wow, gratuliere Diana! Wahnsinnig mutiger und aufregender Schritt. Ich habe lustigerweise gerade einen Post darüber geschrieben, wie es ist seine Motivation und Kreativität im Job zu verlieren. Anders als du habe ich allerdings nicht den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, sondern den Job gewechselt. Erstmal. Es scheint was in der Luft zu liegen.
    Dir auf jeden Fall viel Erfolg in diesem neuen Lebensabschnitt 🙂

  2. Oh mein Gott, Nico! Ich habe gerade deinen Blogpost gelesen und es ist, als hättest du über mich geschrieben. Ich weiß, wie es ist, morgens im Bett zu liegen und nicht aufstehen zu können. Wie gelähmt lag ich manchmal da und alles in mir hat sich gesträubt aufzustehen. Und ja, wir müssen uns unser Feuer zurückerkämpfen. Denn wir sind so gut in dem, was wir tun. Das darf uns niemand nehmen. <3

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