Buchtipp: Eine Novelle wie Türkis

Das signierte Buch könnt ihr noch bis Sonntagabend auf meiner Facebook-Seite gewinnen.

Vor drei Jahren ist die damals noch in San Francisco lebende Autorin Jennifer Hilgert auf mich zugekommen, um mich für ihren Blog zu interviewen. Seither haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren. Nun ist ihr mittlerweile fünftes Werk erschienen. Die Novelle handelt von einer jungen Frau namens Amy, die von den Dämonen ihrer Vergangenheit heimgesucht wird. Der Klappentext bringt es auf den Punkt: „Tage wie Türkis” schmecken nach Pfefferminze und Lakritz. Sie atmen Widerstand ein und Freundschaft aus. Eine philosophische Novelle, die zum Nachdenken anregt und dazu ermutigt, sich der eigenen Zukunft zu stellen.

Welche Farbe hat dein heutiger Tag?
Entgegen der weit verbreiteten Mutmaßung Türkis sei meine Lieblingsfarbe, sehe ich heute Karmesinrot. Ich empfinde das nicht als Bedrohung, sondern einfach als warme Warnung, dass meine Gedanken eventuell mal wieder etwas zu weit gehen.

Bisher warst vor allem in der lyrischen Welt zuhause, „Tage wie Türkis” ist deine erste Novelle. Was war die größte Herausforderung bei der Entstehung der Geschichte?
Anzuerkennen, dass ich sie schreiben muss. Bis dahin stand nämlich mein Jugendroman „Für immer bis dann“ in der Warteschleife und wollte fertiggestellt werden. Ich hatte bereits viel Energie in das Buch investiert, seitenweise Figuren entwickelt, mich an einem Plot versucht und erste Kapitel nach Spannungsbogen gefüllt. Ganz so, wie es das Schreibregelwerk vorsieht. Dabei bin ich normalerweise nicht gerade die strukturierteste Autorin unter der Sonne. Ich sage immer: Ich schreibe, wie andere Jenga spielen. Bloß anders herum.

Die Macht der Dämonen

Deine Protagonistin Amy wird durch ihr altes Tagebuch mit längst verdrängten Dämonen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert. Welche sind das und wie geht sie damit um?
Es sind Ängste und Sorgen aus ihrer Kindheit und Jugend, die symbolisch für die Päckchen stehen, die wir alle mit uns herumtragen. Es geht um Vergebung. Aber auch um Aufrichtigkeit und Liebe, vor allem zu sich selbst. „Tage wie Türkis” setzt sich mit der Suche nach dem Glück und einem Leben in Neutralität auseinander. Denn Amy versucht sich von ihren geißelnden Gewohnheiten zu lösen.

Inwiefern hat dir deine ehemalige Tätigkeit in der Jugendhilfe geholfen, dich in deine Protagonistin hineinzuversetzen?
Sie war richtungsweisend. Für junge Menschen mit chaotischer Vergangenheit bedeuten noch so simpel erscheinende Situationen oft eine Entscheidung darüber, wieviel Macht sie ihren Dämonen geben. Ohne die Vorbelastung durch beispielsweise Alkoholikereltern würden viele ihre Probleme anders lösen. Ich verstehe es, wenn man sich nicht immer „angepasst“ verhalten kann. Doch irgendwann muss man sich selbst so viel wert sein, die Altlasten auf den Kompost zu werfen – damit etwas Neues aus dem Mist erwachsen kann. Sich von Mustern und Denkweisen aus der Vergangenheit zu befreien, ist ein Prozess, der sehr viel Durchhaltevermögen erfordert. Auch ich kann mich gar nicht oft genug in Geduld oder Selbstgüte üben.

Das Glück trägt eine Farbe

Es geht also darum, sich der eigenen Zukunft zu stellen. Pünktlich zum Erscheinungstermin hast du deine Wahlheimat San Francisco verlassen und bist mit deinem Mann und deiner Tochter zurück nach Deutschland gekehrt eine bewusste Parallele?
Wow, damit triffst du einen wunden Punkt! Mit dem Wissen von heute, hätte ich den Veröffentlichungstermin definitiv um ein paar Monate nach hinten verschoben. Denn die Aufmerksamkeit und die Arbeit, die so ein Buchbaby benötigt, nimmt noch mal richtig an Fahrt auf, wenn es draußen ist. Tatsächlich ist es aber so, dass sich der Gedanke, das Buch noch in den letzten Zügen unseres USA-Aufenthaltes rauszuhauen, so intensiv festgesetzt hatte wie ein Kakadunest in einem Eukalyptus. Also ja, die Parallele ist gegeben.

Was können wir von Amy lernen?
Ich glaube, das musst du meine Leser fragen. Ich für meinen Teil lerne von Amy, dass es immer weitergeht. Dass immer ein wenig Türkis durchs Schwarze bricht, wenn man es denn sehen will. Und dass nicht alles nur gut oder schlecht ist, sondern auch mal neutral sein kann. Das Glück trägt eine Farbe, die für jeden eine andere ist.

Alltagsauflauf

Deine Sprache ist sehr bildhaft. Du erzählst von Tagen wie Zwiebeln, denen man Schicht für Schicht auf den Grund geht, bis man heult. Und von blinder Gewohnheit, die unseren Alltag in eine Auflaufform presst. Sätze wie diese fliegen auch einer erfahrenen Autorin wie dir nicht einfach zu. Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich würde gerne sagen, dass sie vom ausgiebigen Wolkenzählen kommt. Oder von meiner PMS-geschwängerten Vorperiodenzeit, in der ich ganz besonders tiefseedunkeltraurige und blutige Texte schreibe. Tatsächlich ist es aber gerade das einfache Leben, das Dazwischen und daneben, das mich inspiriert. Die Gespräche mit anderen Menschen. Was ich selbst lese oder irgendwo aufschnappe. Der „Alltag in der Auflaufform“ kam mir beispielsweise beim Kochen eines Bauernpotts. Was das ist? Die Reste von gestern in Form gepresst, vermischt mit einer Eimasse und geriebenem Käse.

Das Buch ist bei dem Selfpublishing-Verlag Books on Demand erschienen. Welche Tipps möchtest du angehenden Autoren mit auf den Weg geben?
Das Vorhaben, mein Buch dort „loszulassen“, hatte sich in meinen Gedanken festgesetzt wie Karamell in Backenzähnen. Ich hatte es in dem ersten Lebensjahr unserer Tochter geschrieben, in Nachtschichten, zwischen Still- und Schlafphasen.  Die Vorstellung, dass mein angepeilter Veröffentlichungstermin nicht klappen könnte, hat mich wahnsinnig gemacht.  Aus heutiger Sicht lautet mein Rat an mich selbst und alle angehenden Autoren und Autorinnen da draußen: „Großzügig planen und nichts übers Knie brechen“. Nicht nur das Schreiben eines Buches ist sehr zeitintensiv, wenn man die Geschichte liebt und lebt, sondern auch der Weg zur Leserschaft, daher sollte man seine Zielgruppe genau kennen. Doch egal was kommt: Lasst euch nicht entmutigen, packt die Selbstzweifel weg und veröffentlicht euer Buch in der Qualität, die ihr als Leser selbst erwartet. Ihr schreibt nie für jeden, aber immer für euch selbst.

Pläne schmieden

Du hast gerade einen Vertrag bei dem Frankfurter Astikos Verlag unterschrieben. Worauf können wir uns dahingehend freuen?
Ja, ich bin auch noch sehr aus meinem Schneckenhäuschen. Manchmal kann ich es noch gar nicht richtig glauben und ich würde mich am liebsten wieder verkriechen und vor Freude in mein Kissen beißen. Ich darf den zweiten Teil der MIKROS-Reihe mit einem Kurztext bereichern. In diesem Projekt entsteht eine Zusammenarbeit zwischen Autor und Illustrator, oft ein Crossover der Stile. Der Titel steht noch nicht fest, der Preis des eBooks aber schon. Für 2 Euro kann man sich gemeinsam mit Annabel Greek auf einen San Francisco-Streifzug von oben nach ganz unten begeben. Es wird eine reelle Reisereportage mit authentischen, fiktiven und aber vor allem überraschenden Elementen. Jedenfalls geht diese Reiseliteratur über die eines Pauschaltouristen hinaus.

Last but not least: Was war das letzte Buch, das du gelesen hast und wie lautet dein Urteil?
Das war „Tranny“ von Laura Jane Grace. Urteil: Lesenswert. Nicht nur für Against Me!-Fans, auch wenn ich selbst einer bin. Jetzt geht’s weiter mit dem Roman „Farben auf Beton” von Christina Fuchs.

Mehr Infos:
Jennifer Hilgert auf Facebook.
„Tage wie Türkis” bei Amazon.

1 Kommentar zu Buchtipp: Eine Novelle wie Türkis

  1. Ich bedanke mich.

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