Throwback: Musik for the Wedding

Fotos: Chris Lührmann, Studio 152

Vor ziemlich genau einem Jahr ging unsere Hochzeitsplanung in die heiße Phase. Eckpfeiler wie Datum, Location und Motto standen bereits fest. Doch der musikalische Teil stellte uns vor eine echte Herausforderung: Wie sollten wir Arbeitskollegen, alte Punker-Freunde und Oma Anni gleichzeitig bespaßen, ohne auch nur einer Person auf die Nerven zu gehen? Die Lösung fanden wir hier im Ruhrgebiet – vier Musiker, die generationsübergreifend einen bleibenden Eindruck bei unseren Gästen hinterlassen haben: Musik For The Kitchen.

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Manche Bilder sprechen für sich.

Zugegeben, unser Motto machte es uns nicht gerade leicht, denn wir hatten zu einer „Punkrockhochzeit im feinen Zwirn der 20er-Jahre“ eingeladen. Wieso? Na weil wir Punkrocker sind und trotzdem Lust auf herausgeputzte Gäste hatten. Die Goldenen Zwanziger passten wie die Faust aufs Auge: Todschicke Menschen, rauschende Feste und gute Musik – genau das wollten wir auch! Über ein paar Ecken stießen wir schließlich auf Musik For The Kitchen. Vier Herren aus dem Pott, die zwischen Stahl und Kohle aufgewachsen und mit ihren Instrumenten bereits weit herumgekommen waren. Eine Kapelle mit Akustikgitarre, Akkordeon, Schlagwerk und Kontrabass, die dafür bekannt war, dem Publikum in Vintage-Klamotten gegenüberzutreten und es mit auf eine Reise durch 100 Jahre Musikgeschichte zu nehmen: Pop-, Rock- und Punkklassiker, verpackt in ein wunderschönes Swing-Gewand. Die Band war sowas von gebucht.

Hochzeitsbedingter Flattermann

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Beim Eintreffen der Gäste war die Aufregung nicht mehr auszuhalten.

Vor der Hochzeit betonten ständig alle, wie aufgeregt wir als Brautpaar am großen Tag sein würden. Doch ehrlich gesagt hielt ich das bis zum Schluss für ein Gerücht. Das änderte sich, als wir zwischen Standesamt und Party-Startschuss auf die Gäste warteten. Obwohl wir zu dem Zeitpunkt schon seit ein paar Stunden verheiratet waren, schlug mir das Herz plötzlich bis zum Hals. Mich machte die Vorstellung vollkommen wahnsinnig, dass jeden Moment Jugendfreunde, Studiengefährten, Verwandte und Arbeitskollegen aus verschiedenen Städten und Dekaden unseres Lebens aufeinandertreffen würden. Die Band hatten wir zur Begrüßung eingeplant. Denn man rechne sich mal aus, wie lange es dauert, bis einem über 100 Leute persönlich gratuliert haben. Während ich also noch vollkommen durch den Wind auf dem Hof herumtigerte, rollten die Musiker schon mal ihren gemusterten Teppich aus und nahmen die Instrumente zur Hand. Kurz darauf legten sie mit dem Eintreffen der ersten Gäste los. Im selben Moment kam wie auf Knopfdruck die Sonne raus. Bäm!

Jamsessions in Bosnien

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Musik for the Kitchen sorgten für den perfekten Soundtrack.

Die Gründung der Band lag in dem Sommer ziemlich genau zehn Jahre zurück. Bis dahin hatten Alex, Christian, Gebhard und Stefan gemeinsam in einer Reggae-Band gespielt. 2007 reisten sie dann im Rahmen einer Straßenmusik-Tour nach Bosnien, wo sie sich schließlich in einem langgezogenen Tal auf einem Hippie-Festival namens Rainbow Gathering wiederfanden. „Das Zentrum des Geschehens war die Küche, wo einmal am Tag für alle gekocht wurde“, erinnert sich Gebhard zurück. „Es gab keinen Strom, daher schallte vorab immer ein ‚Wood for the kitchen‘-Ruf durchs Tal, der die Anwesenden zum Feuerholzsammeln animieren sollte.“ Und da es in der Küche ohne Radio schnell langweilig beim Schnibbeln wurde, ließen bei der Essenszubereitung auch die „Music for the kitchen“-Rufe nicht lange auf sich warten. So wurden die anwesenden Musiker zum Jammen in die Küche gelockt. Musik For The Kitchen war geboren.

Musikalische Vagabunden

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Um die Stimmung brauchten wir uns dank der Band keine Sorgen machen.

Zurück zur Hochzeit. Nachdem uns der erste Schwung Gratulanten abgeknutscht hatte, schaute ich mich um und staunte nicht schlecht. Da wippten meine Omas mit einem Sekt in der Hand zur Swing-Version von „Blitzkrieg Bob“, während an anderer Stelle erste „Hey ho, let’s go“-Rufe laut wurden und zwei der besagten Punker-Freunde mit einer Fünfjährigen im Sandkasten pogten. Das war genau die Art Perfektion, die ich mir monatelang ausgemalt hatte, wenn ich nicht schlafen konnte. Die Band war ein Gesamtkunstwerk, das alle Gäste auf einen Nenner brachte. Denn sie sorgte nicht bloß für musikalische Unterhaltung, sondern auch für den perfekten Smalltalk-Einstieg. „Guck mal, die Bassdrum ist ein alter Lederkoffer“, freute sich mein Onkel. „Wie cool, zu dem Mando-Diao-Song haben wir doch im ersten Semester immer getanzt“, jubelte jemand zwei Stehtische weiter. „Dieser Vintage-Stil passt natürlich super zu unserer Musik“, fasst Drummer Alex zusammen. „Doch da wir viel unterwegs sind, ist das Kofferschlagzeug auch einfach sehr praktisch, weil wie weniger schleppen müssen.“ Das Reisen ist den „Musikalischen Vagabunden“, wie sie sich selbst bezeichnen, sehr wichtig.

Unwiederbringliche Zeiten

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MFTK sorgten vom ersten Moment an für eine genre- und generationsübergreifende Party.

Ob in Italien, Ungarn, Wattenscheid oder den entlegensten Winkeln der Türkei – mit ihrer Musik bringen sie die Leute dazu, ihnen vollkommen fremde Genres abzufeiern. „Der Begriff ‚Wanderschaft‘ hat mein Leben seit frühester Jugend geprägt“, erklärt Gitarrist und Sänger Christian. „Unterwegs habe ich das Leben und Musizieren in der freien Natur kennengelernt. Später habe ich vier Jahre lang als Zimmermannsgeselle die Welt bereist und heute setze ich das Vagabundenleben mit Musik For The Kitchen fort.“ Zu unserer Hochzeit war leider keine große Anreise nötig. Doch spätestens als bei ihrer Interpretation von „Ghostbusters“ die ersten Damen in Charleston-Kleidern durch den Garten tanzten, hatten die Musiker ein breites Grinsen im Gesicht. Denn es ist dieser generationsübergreifende Musik-For-The-Kitchen-Effekt, der sie besonders stolz macht. Und das zu Recht: Von der ersten Minute an hat die Band es geschafft, unsere Verwandtschaft für Rage Against The Machine und unsere Freunde für Heinz Erhardt zu begeistern. So wurde es zu dem rauschenden Fest mit den todschicken Menschen und der guten Musik, von dem wir so lange geträumt hatten. Leider behält Gebhard mit einer Sache recht: „Das Faszinierendste an vergangenen Zeiten ist, dass sie sich nicht wiederholen lassen.“

Weitere Infos zur Band:
musikforthekitchen.de
facebook.com/musikforthekitchen

Fotos:
studio152.de
facebook.com/hochzeitsstudio152

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