Und welche Maske trägst du?

Es gibt Songs, Bücher und Filme, die lassen mich vollkommen aufgewühlt auf der Couch zurück. Heute ist so ein Tag. Denn nachdem ich bereits die erste Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ großartig fand, habe ich mir nun die Fortsetzung gegeben – inklusive der Hintergrundgespräche im Anschluss. Et voilà! Da sitze ich nun – mit verheulten Augen – und frage mich, wie viele Menschen da draußen sich gerade einsam fühlen, weil sie niemanden zum Reden haben.

Ich für meinen Teil hatte immer großes Glück in unglücklichen Zeiten. Freundinnen, die bei Liebeskummer meine Hand und bei Übelkeit meine Haare hielten. Eine Familie, die nach einem Schicksalsschlag noch enger zusammenrückte, anstatt sich voneinander zu entfernen. Und einen Partner, der immer hinter mir steht, wenn ich mal wieder den steinigen Weg wähle. Ich weiß das zu schätzen und versuche so viel wie möglich davon an sie und andere zurückzugeben. Aber ist das genug? Wie viel weiß ich wirklich von den großen und kleinen Päckchen, die die Menschen in meinem Umfeld mit sich herumtragen? Und wie viel davon zu wissen tut mir gut? Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Meine Stimmung kann ich in der Regel nicht verbergen. Ich muss mir ständig die Tränen aus den Augen wischen, weil ich traurig, wütend oder gerührt von einem pathetischen Songtext bin. Und wenn mich etwas wurmt, dauert es trotz aller guter Vorsätze maximal zehn Minuten, bis alles aus mir herausplatzt, um klaren Tisch zu machen. Das war schon immer so.

Miteinander reden

Es gibt einfach nicht viele Dinge, die ich schrecklicher finde, als mich in irgendeiner Form verstellen zu müssen. Also versuche ich erst gar nicht, mich hinter einer Maske zu verstecken, denn ich bin gerne mit mir selbst im Reinen. Dabei spielt es mir natürlich in die Karten, dass ich ein eher extrovertierter Mensch bin, der zudem über ein starkes soziales Umfeld verfügt. Es fällt mir nicht schwer, mich meinem Mann, meiner Familie oder meinen Freunden gegenüber zu öffnen und ich höre auch ihnen gerne zu. Dennoch erzählen wir uns ja nicht alles. Gewisse Sorgen und Ängste behalten wir lieber für uns. So wird an der Arbeit über den Liebeskummer nach einer Trennung hinweggelächelt, vor den Eltern ein Witz über die eigenen Zukunftsängste gemacht und dem Partner der dauerhafte miserable Kontostand verschwiegen. Gelegentlich macht das Sinn, weil man einige Dinge erst einmal mit sich selbst ausmachen muss. Allerdings befürchte ich, dass wir uns im Alltag zu oft mit einem „Alles okay bei mir“ zufriedengeben. Denn es fällt eben nicht jedem leicht, über seinen Kummer zu sprechen – doch das heißt nicht, dass es nicht jedem guttun würde.

Geteiltes Leid

Viele fressen ihre Sorgen in sich hinein wie eine extra große Familienpizza. Sie stopfen und stopfen bis ihnen schlecht wird. Daher sollten wir zwischendurch einfach mal fragen, ob wir ein Stück abbekommen, wenn unserem Gegenüber bereits der Schweiß auf der Stirn steht. Das bringt uns näher zusammen und hält die Übelkeit in Grenzen. Neulich habe ich mit einer Handvoll wirklich guter Freunde einen Abend an einem wundervollen Ort verbracht. Es gab Schnitzelgerichte und Bier aus Humpen. Irgendwann fragte jemand: „Mit welcher Eigenschaft steht ihr euch selbst am meisten im Weg?“ Wow, da musste man erst mal drauf kommen. Ich rechnete ehrlich gesagt nicht damit, dass sich jemand dieser Frage annehmen würde, doch es dauerte nicht lange und der erste begann zu erzählen. Überraschend ehrlich und mit dem nötigen Ernst. Schließlich antworteten wir der Reihe nach und es folgten noch viele weitere Fragen und Antworten an diesem Abend. Und so lernte ich einige meiner ältesten Freunde von einer ganz neuen Seite kennen. Warum? Weil ich sie bisher nie nach diesen Dingen gefragt hatte. Was ich damit sagen will: Lasst uns miteinander reden, bevor die Überwindung zu groß wird. Lasst uns unsere inneren Konflikte und Ängste miteinander teilen und uns gegenseitig Mut machen. Denn wir sind alles, was wir haben.

 

 

 

 

 

 

 

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